Privatinsolvenz verständlich

13.10.2018

Kompakte Antworten auf die 10 wichtigsten Fragen zur Privatinsolvenz!

Taschen komplett leer? Und keine Aussicht auf Besserung? Dann könnte der Weg in die Privatinsolvenz (eigentlich: Verbraucherinsolvenz) der richtige für Sie sein.

Privatinsolvenz verständlich und kompakt erklärt / Nicht hören. Nicht sehen. Nicht sprechen.

Nicht hören. Nicht sehen. Nicht sprechen. Definitiv der falsche Ansatz bei Schulden.

1. Was versteht man unter einer Privatinsolvenz?

Seit Einführung der Insolvenzordnung (InsO) im Jahr 1999 haben Verbraucher die Chance, sich mit Hilfe einer Privatinsolvenz von (nahezu) allen Schulden zu befreien.

Voraussetzungen für einen erfolgreichen Insolvenzantrag sind die (drohende) Zahlungsunfähigkeit und das Scheitern eines außergerichtlichen Vergleichs mit den Gläubigern.

Befolgt der Schuldner in der Wohlverhaltensphase (i.d.R. 3 bis 6 Jahre) alle Pflichten und Obliegenheiten, erteilt das Insolvenzgericht am Ende des Insolvenzverfahrens die Restschuldbefreiung.

Die Privatinsolvenz ist die vereinfachte Variante der Regelinsolvenz, dem allgemeinen Insolvenzverfahren in Deutschland.

Privatinsolvenz verständlich und kompakt erklärt / Vorteile

In maximal 6 Jahren zur Schuldenfreiheit

2. Was sind die wichtigsten Vorteile der Privatinsolvenz?

  • Schuldenfreiheit und finanzieller Neustart nach 3, 5 oder 6 Jahren
  • Pfändungen (Lohnpfändung, Kontopfändung etc.) durch Gläubiger nicht mehr möglich
  • Existenzminimum durch Pfändungsfreigrenzen gesichert (zur aktuellen Pfändungstabelle)
  • Psychische Entlastung: Keine „bösen“ Briefe mehr

Hier finden Sie weitere Vorteile … und Nachteile.

 

Privatinsolvenz verständlich und kompakt erklärt / Voraussetzungen

Die Privatinsolvenz ist nur für natürliche Personen gedacht

3. Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

1. Eine Privatinsolvenz kann von natürlichen Personen bzw. privaten Verbrauchern beantragt werden, die …

  • nicht selbständig sind und es bislang auch nicht waren.
  • zwar selbständig waren, aber bei weniger als 20 Gläubigern Schulden haben
  • UND keine Löhne (oder ähnliche Forderungen von Mitarbeitern) mehr begleichen müssen.
Grafik / Schaubild: Abgrenzung Regelinsolvenz / Privatinsolvenz (Verbraucherinsolvenz)

Abgrenzung Privatinsolvenz und Regelinsolvenz

2. Des Weiteren muss die Zahlungsunfähigkeit bereits vorliegen (§ 17 InsO) oder unmittelbar bevorstehen (§ 18 InsO).

3. Wer eine Privatinsolvenz beantragen möchte, muss zunächst versuchen, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Erst wenn ein außergerichtlicher Vergleich nicht gelingt, kann das Privatinsolvenzverfahren beantragt werden. Dies kann der Fall sein, wenn bereits EIN Gläubiger dem Schuldenbereinigungsplan nicht zustimmt.

4. Das Scheitern des Versuchs muss sich der Schuldner gemäß § 305 InsO von einer sogenannten „Geeigneten Stelle“ bescheinigen lassen. Als geeignet gilt z.B. ein Rechtsanwalt für Insolvenzrecht oder ein zertifizierter Schuldnerberater.

Privatinsolvenz verständlich und kompakt erklärt / Außergerichtlicher Vergleich

Mit einem außergerichtlichen Vergleich die Insolvenz vermeiden!

4. Wie kann man die Privatinsolvenz noch abwenden?

Der außergerichtliche Einigungsversuch ist eine Voraussetzung für die Privatinsolvenz. Gleichzeitig bietet ein erfolgreicher Vergleich die große Chance, eine Insolvenz zu vermeiden.

Wer erfolgreich verhandelt, muss meistens nur einen Bruchteil der eigentlichen Schuldensumme aufbringen. Außerdem führt dieser Weg deutlich schneller „raus aus den Schulden“.

TIPP: Nehmen Sie unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch! Unsere Schuldnerberater sind erfahren, routiniert und nachweislich sehr erfolgreich bei den Verhandlungen mit Gläubigern (siehe Verhandlungsergebnisse).

 

5. Wie lange dauert eine private Insolvenz?

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens beginnt die Wohlverhaltensphase. Die reguläre Dauer beträgt sechs Jahre. Sie kann aber seit der Insolvenzrechtsreform 2014 auf fünf oder sogar drei Jahre reduziert werden.

Für eine Verkürzung auf fünf Jahre muss der Schuldner in dieser Zeit die gesamten Verfahrenskosten begleichen.

Wer bereits nach drei Jahren schuldenfrei sein möchte, muss nicht nur die Verfahrenskosten zahlen. Er muss auch 35% seiner Gesamtschulden begleichen. In der Praxis kommt das leider relativ selten vor.

Privatinsolvenz verständlich und kompakt erklärt / Dauer - Geld - Ablauf

Konkrete Antworten auf wichtige Fragen

6. Wieviel Geld bleibt zum Leben während der Insolvenzphase?

Der Gesetzgeber veröffentlicht in regelmäßigen Abständen eine Pfändungstabelle (aktuell in der Version für 2017 bis 2019). Die Pfändungsfreigrenzen richten sich dabei im Wesentlichen nach dem Einkommen und den Unterhaltsverpflichtungen des Schuldners.

Beispiel mit einem monatlichen Verdienst von 1.800,- Euro (netto)

  • Keine Unterhaltsverpflichtungen = pfändbarer Anteil 466,34 Euro / Lohnzahlung 1.333,66 Euro
  • Ein Kind = pfändbarer Anteil 119,25 Euro / Lohnzahlung 1.680,25 Euro
  • Drei Kinder = Keine Pfändung / voller Lohn

7. Wie ist der genaue Ablauf des Insolvenzverfahrens?

Nachdem der außergerichtliche Vergleich gescheitert ist, beantragt der Schuldner die Privatinsolvenz.

Zunächst versucht das Insolvenzgericht, doch noch eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Die Wahrscheinlichkeit für einen gerichtlichen Vergleich ist jedoch sehr gering.

Wenn der Schuldner alle Voraussetzungen erfüllt, wird das Insolvenzverfahren eröffnet und ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestimmt.

In der Wohlverhaltensphase zahlt der Schuldner den pfändbaren Anteil seines Lohns an einen Treuhänder. Dieser verteilt die Summe an die Gläubiger. Während der Wohlverhaltensperiode darf der Schuldner nicht gegen die Obliegenheiten (nächstes Kapitel) verstoßen. Ansonsten riskiert er die Versagung der Restschuldbefreiung.

Hat sich der Schuldner „wohl verhalten“, wird er von seinen Schulden befreit und das Insolvenzverfahren beendet. Schulden aus unerlaubten Handlungen, Geldbußen oder Ordnungsgelder fallen übrigens nicht unter die Restschuldbefreiung.

Privatinsolvenz verständlich und kompakt erklärt / Restschuldbefreiung - finanzieller Neustart

Privatinsolvenz beendet – finanziell neu starten

8. Was sind die Obliegenheiten in der Wohlverhaltensphase?

Gemäß § 295 InsO muss der Schuldner …

  • den pfändbaren Teil seines Einkommens an den Treuhänder zahlen,
  • einen angemessenen Job annehmen bzw. sich um einen solchen bemühen,
  • das halbe Erbschaftsvermögen abgeben,
  • jeden Ortswechsel und Arbeitgeberwechsel mitteilen und
  • alle Zahlungen an den Treuhänder leisten. Direkte Zahlungen an Gläubiger sind untersagt.

9. Wie teuer ist eine Privatinsolvenz?

Der Schuldner tilgt nicht nur seine Schulden gemäß Pfändungstabelle. Er trägt auch die Kosten für den vorläufigen Insolvenzverwalter (später: Treuhänder) und die Gerichtskosten (i.d.R. mindestens 500,- Euro). Beide richten sich nach dem Wert der Insolvenzmasse sowie der Anzahl der Gläubiger.

Unter Insolvenzmasse versteht man das bewegliche und unbewegliche Vermögen des Schuldners zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung. Kommt während der Wohlverhaltensphase etwas hinzu, z.B. durch eine Erbschaft oder eine Schenkung, wird auch dieses Vermögen berücksichtigt.

Bei weniger als 10 Gläubigern erhält der Insolvenzverwalter mindestens 1.000,- Euro. Pro 5 Gläubigern mehr bekommt er weitere 150,- Euro. Hinzu kommt der Anteil aus der Insolvenzmasse. Je höher der Wert, desto niedriger der prozentuale Anteil (bis 25.000,- Euro = 40% / bis 50.000,- Euro = 25% usw.).

Außerdem erhält der Treuhänder während der Wohlverhaltensphase 5% der pfändbaren Schuldnerbeträge.

 

10. Wie viele Privatinsolvenzverfahren werden in Deutschland jährlich eröffnet?

Seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 haben über 1,3 Millionen Verbraucher erfolgreich eine Privatinsolvenz beantragt. Die Weltwirtschaftskrise rund um das Jahr 2008 spiegelt sich auch in der folgenden Grafik.

Ab 2012 sinkt die Zahl der Privatinsolvenzen stetig. Dennoch ist die Zahl der überschuldeten Haushalte in Deutschland weiterhin sehr hoch.

Privatinsolvenzen in Deutschland 1999 bis 2017 (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Privatinsolvenz als Chance begreifen

 

Weitere Informationen zur Privatinsolvenz finden Sie in diesen Rubriken:

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