Kontopfändung ... Was nun?

15.08.2018

Bei einer Kontopfändung handelt es sich um die Beschlagnahmung eines Bankkontos. Die Beschlagnahmung findet im Rahmen einer Zwangsvollstreckung statt, die durch einen vom Gericht angeordneten Pfändungsbeschluss dem Schuldner zugestellt werden muss.

Schuldner ist der Kontoinhaber, sein Kreditinstitut gilt als Drittschuldner – beiden Parteien muss der offizielle Beschluss zugestellt werden. Von einer Pfändung können insbesondere Girokonten oder Guthaben in Form einer Spar- bzw. Termineinlage betroffen sein.

Wie kommt es überhaupt zu einer Pfändung des Kontos?

Wer Schulden nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums zurückzahlt, dem droht die Pfändung des Kontos. Zwar kann der Gläubiger nicht unmittelbar und sofort auf das Bankkonto zugreifen, doch nach der Erlangung eines entsprechenden Titels kann ihm rein rechtlich niemand den Zugriff verweigern.

Auch die Bank des Schuldners ist gesetzlich verpflichtet, dem Gläubiger dieses Recht einzuräumen. Für Schuldner ist das Gefühl, das jemand Fremdes nahezu uneingeschränkten Zugriff auf das eigene Bankkonto hat, ein existenziell einschneidendes Erlebnis. Langfristig führt eine Kontopfändung außerdem nicht selten zur Kündigung seitens der Bank.

Welche Grundlagen müssen erfüllt sein, um ein Konto zu pfänden?

Laut Gesetz gibt es exakte Vorschriften, wann eine Kontopfändung durchgeführt werden darf. Der Gläubiger muss hierzu einen zu den eigenen Gunsten vollstreckbaren Titel vorweisen. Das kann unter anderem ein Gerichtsurteil sein oder ein offizieller Vollstreckungsbescheid.

Diesen Titel erhält der Gläubiger von einem Gericht, das für Vollstreckungen zuständig ist. Der von dem zuständigen Gericht erlassene Pfändungs- und Überweisungsbeschluss wird dann der Bank und dem Schuldner zugestellt. Erst durch die Zustellung wird die Pfändung rechtlich wirksam.

Welche rechtliche Grundlage liegt bei einer Kontopfändung vor?

Die Kontopfändung gehört zu den Zwangsvollstreckungen bzw. zu den Forderungen und sonstigen Vermögensrechten. Diese sind in §§ 828 ff. ZPO (Zivilprozessordnung) geregelt.

Es handelt sich um die häufigste Art der Zwangsvollstreckung innerhalb Deutschlands. Sobald ein privates oder geschäftliches Konto bei einem Kreditinstitut pfändbare Teile enthält, können diese entsprechend gepfändet werden.

Gibt es Mittel und Wege, um sich gegen die Pfändung zu wehren?

Obwohl es in der Praxis immer wieder vorkommt, dass auch Gehälter gepfändet werden, ist dieses Vorgehen nicht uneingeschränkt zulässig. Die exakte Höhe des Einkommens, die gepfändet bzw. nicht gepfändet werden darf, steht im § 850c ZPO.

Berücksichtigt wird unter anderem, ob eine Unterhaltspflicht vorliegt. Je mehr Unterhaltsberechtigte es gibt, desto geringer ist der zu pfändenden Betrag (siehe Pfändungstabelle).

Der einzige sichere Weg, um sich effektiv gegen eine drohende Pfändung zu wehren, ist die Einrichtung eines P-Kontos. Jeder Bankkunde kann gegenüber seiner Bank die Einrichtung eines solchen Pfändungsschutzkontos fordern. Außerdem kann das bereits bestehende Konto in ein P-Konto umgewandelt werden. Pro Person kann nur ein Pfändungsschutzkonto eröffnet werden.

Was tun, wenn man von einer Kontopfändung betroffen ist?

Wichtig ist es, sofort zu handeln. Je früher man sich z.B. die Hilfe von einem professionellen Schuldnerberater holt, desto besser. Wenn Gegenmaßnahmen unverzüglich ergriffen werden, steigt die Chance darauf, das Schlimmste – z.B. den Weg in die Privatinsolvenz – noch verhindern zu können.

Da die Bank dazu verpflichtet ist, das gesamte Guthaben des Schuldners einzubehalten und nach vier Wochen an den Gläubiger zu übergeben, ist der Betroffene erst einmal stark handlungseingeschränkt. Wer nichts dagegen tut, der kann nicht mehr adäquat auf sein Guthaben zugreifen und regelmäßige fällige Beträge nicht begleichen – neue Schulden sind die Folge.

Welche Folgen kann eine Kontopfändung haben?

Die Kontopfändung führt sehr oft dazu, dass dem betroffenen Schuldner sowohl Kreditkarte als auch der Dispositionskredit gekündigt werden. Außerdem kann die EC-Karte eingezogen und Barabhebungen vom Girokonto verweigert werden.

Wichtige regelmäßige Zahlungen wie zum Beispiel Mieten oder die Zahlungen für Nebenkosten werden nicht mehr länger ausgeführt. Zusätzlich werden alle bestehenden und folgenden Guthaben direkt an den Gläubiger ausgekehrt – allerdings erst nach einer Wartefrist von vier Wochen.

Eine ähnlich radikale Pfändungsmaßnahme ist die Lohnpfändung … Hier finden Sie Wissenswertes!

 

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