PRIVATINSOLVENZ: VORTEILE UND NACHTEILE

05.06.2019

… und was Sie sonst noch über das Insolvenzverfahren für Verbraucher wissen sollten!

Wenn Sie massive Geldprobleme haben und zahlungsunfähig sind, kann die Privatinsolvenz ein geeigneter Ausweg sein.

Die wichtigsten Vorteile:

  • Sie sind nach spätestens 6 Jahren schuldenfrei – ggf. auch schon nach 3 oder 5 Jahren.
  • Der Pfändungsfreibetrag sichert Ihre Existenz.
  • Sie entlasten Ihre Psyche und können endlich mal wieder “durchatmen”.

Die wichtigsten Nachteile:

  • Sie müssen Ihre Finanzen komplett offenlegen.
  • Ihr Arbeitgeber erfährt von Ihrer Insolvenz. Zudem wird das Insolvenzverfahren veröffentlicht.
  • In Ihrem Konsumverhalten kann es zu Einschränkungen kommen.

INHALT DIESER SEITE

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I. ALLES WICHTIGE ZUR PRIVATINSOLVENZ

II. VORTEILE EINER PRIVATINSOLVENZ

III. VORTEILE IM ÜBERBLICK

IV. NACHTEILE EINER PRIVATINSOLVENZ

V. NACHTEILE IM ÜBERBLICK

VI. FAZIT


Im folgenden Videoclip erfahren Sie, wie unsere Schuldnerberatung im “Kampf” gegen Ihre Schulden vorgeht:

Falls Sie zahlungsunfähig sind oder Ihnen die Überschuldung droht, sollten Sie professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Nutzen Sie die Erstberatung unserer Schuldnerberatung – kostenlos und unverbindlich. Füllen Sie jetzt das Online-Formular aus!

Unsere Anwälte für Insolvenzrecht und erfahrenen Schuldenberater sind für Sie da. Sie schauen sich Ihre Situation genau an und erkennen schnell, ob Sie ein Insolvenzverfahren noch durch eine außergerichtliche Schuldenbereinigung vermeiden können. Dieser Vergleich mit Ihren Gläubigern ist i.d.R. für alle Beteiligten die bessere Alternative.

 

INFO: Schulden machen ist nicht schwer, sie zu begleichen manchmal sehr … In Deutschland sind unzählige private Haushalte verschuldet. Darunter befinden sich viele Menschen, die sogar als überschuldet gelten (siehe SchuldnerAtlas 2017 und SchuldnerAtlas 2018).
Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheiten / Suchterkrankungen, Unfälle / Schicksalsschläge und übertriebener Konsum gehören zu den häufigsten Ursachen für die finanzielle Schieflage.
Steigende Mieten und hohe Energiekosten erschweren den Weg aus der Schuldenfalle. Nach § 17 InsO gelten Sie als zahlungsunfähig, wenn Sie Ihre Zahlungsverpflichtungen gegenüber Gläubigern nicht mehr nachkommen können.

Hohe Schulden - Geldprobleme - Schuldnerberatung - Privatinsolvenz / Figur zeigt auf eine Uhr, die auf 5 vor 12 steht


I. ALLES WICHTIGE ZUR PRIVATINSOLVENZ

1. Privatinsolvenz … Was ist das eigentlich?

Mit Hilfe einer Privatinsolvenz können sich natürliche Personen nach maximal 6 Jahren von ihren Schulden befreien. Dieses vereinfachte Insolvenzverfahren ist für Verbraucher seit Einführung der Insolvenzordnung (InsO) im Jahre 1999 möglich. Erfüllt der Schuldner bestimmte Kriterien, kann die Restschuldbefreiung bereits nach 3 Jahren erteilt werden.

Schulden, Zahlungsunfähigkeit, Überschuldung - Privatinsolvenz als letzte Chance / Figur ertrinkt wegen Euro

Die wesentlichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Insolvenzantrag sind die (drohende) Zahlungsunfähigkeit des Schuldners und das Scheitern des außergerichtlichen Vergleichs mit den Gläubigern.

Das wichtigste Ziel aus Sicht des Schuldners, und zugleich der größte Vorteil der Privatinsolvenz, ist die Schuldenfreiheit. Die Interessen der Gläubiger sind in § 1 InsO verankert. Demnach wird das verwertbare Vermögen gleichmäßig unter ihnen aufgeteilt.


2. Für wen ist das private Insolvenzverfahren gedacht?

Das Privatinsolvenzverfahren gilt für natürliche Personen, die nicht selbständig sind und es auch noch nie waren.

Selbständige dürfen ebenfalls in die Privatinsolvenz. Einerseits müssen sie weniger als 20 Gläubigern Geld schulden. Andererseits dürfen keine Forderungen von Mitarbeitern (z.B. Lohn) mehr offen sein.

Angestellte, Arbeiter, Beamte, Rentner, Arbeitslose, Schüler & Studenten sowie Hausfrauen sind typische Personengruppen, die unter das private Insolvenzverfahren fallen.

Die folgende Grafik veranschaulicht, wer in die Verbraucherinsolvenz “darf” und wer am allgemeinen Insolvenzverfahren (Regelinsolvenz) teilnehmen “muss”.

Abgrenzung Verbraucherinsolvenz / Privatinsolvenz - Allgemeines Insolvenzverfahren (Regelinsolvenz)

Für einen erfolgreichen Insolvenzantrag müssen Sie u.a. auch diese Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind zahlungsunfähig bzw. die Überschuldung droht.
  • Die außergerichtliche Schuldenbereinigung mit Ihren Gläubigern ist gescheitert. Außerdem liegt dieser Einigungsversuch nicht länger als 6 Monate zurück.
  • Eine geeignete Person gem. § 305 InsO hat dieses Scheitern bescheinigt.
  • Ihr Vermögen reicht aus, um die Verfahrenskosten zu decken.
  • Es bestehen keine Versagungsgründe, z.B. ein Privatkonkurs innerhalb der letzten 10 Jahre.

TIPP: Sofern noch nicht geschehen, sollten Sie Ihr Bankkonto in ein P-Konto (Pfändungsschutzkonto) umwandeln. So schützen Sie Ihr pfändungsfreies Guthaben und verhindern, dass Ihre Gläubiger das gesamte Konto pfänden. Bei uns können Sie auch die P-Konto Bescheinigung beantragen!


3. Wie lange dauert die Privatinsolvenz?

Nachdem Sie Ihren Antrag eingereicht haben, benötigt das Insolvenzgericht i.d.R. 5 bis 6 Wochen bis zur Insolvenzeröffnung. Planen Sie diese Zeit mit ein.

Von diesem Zeitpunkt an dauert die Privatinsolvenz eigentlich 6 Jahre. Die Dauer kann aber auf 5 bzw. 3 Jahre verkürzt werden.

Streben Sie eine Restschuldbefreiung nach 5 Jahren an, müssen Sie bis dahin die kompletten Verfahrenskosten (§ 54 InsO) begleichen.

Möchten Sie bereits nach 3 Jahren schuldenfrei sein, müssen Sie zusätzlich 35% der Gesamtschulden getilgt haben. Das schaffen aktuell leider nur wenige Schuldner.

INFO: Seit der Insolvenzrechtsreform vom 1.7.2014 können Sie das Insolvenzverfahren auch frühzeitig beenden. Im Insolvenzplanverfahren bieten Sie Ihren Gläubigern eine Einmalzahlung an. Das funktioniert natürlich nur dann, wenn Sie einen oder mehrere Geldgeber haben (z.B. Freunde oder Verwandte).
Ihren Insolvenzplan stimmen Sie vorher mit dem Insolvenzverwalter und dem Insolvenzgericht ab. Sollte die Mehrheit Ihrer (anwesenden) Gläubiger beim Abstimmungstermin für den Insolvenzplan stimmen, wird das Insolvenzverfahren beendet. Statt 6, 5 oder 3 JAHREN dauert die Entschuldung mittels Insolvenzplan meistens nur zwischen 4 und 12 MONATE!!!


4. Der Ablauf einer Privatinsolvenz

Ablauf der Privatinsolvenz

Der Ablauf einer Privatinsolvenz gliedert sich in 4 Phasen:

1. Phase: Außergerichtliche Schuldenregulierung und Insolvenzantrag

Außergerichtlicher Schuldenvergleich - Voraussetzung für Privatinsolvenz / Zwei Figuren kämpfen um Euros

Zunächst versuchen Sie, sich mit Ihren Gläubigern außergerichtlich zu einigen.

Überlassen Sie unseren Experten den Einigungsversuch.
Wir sind sehr versiert im Umgang mit Gläubigern!

Scheitert der Vergleich, benötigen Sie für den Insolvenzantrag eine Bescheinigung nach § 305 InsO.

2. Phase: Gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan und Eröffnung des Insolvenzverfahren

Sieht das Insolvenzgericht doch noch Chancen, probiert es auf diesem Wege eine Einigung zu erzielen. Das passiert jedoch selten. In den meisten Fällen eröffnet das Gericht das Verbraucherinsolvenzverfahren.

3. Phase: Insolvenzverfahren

Das Insolvenzgericht macht die Privatinsolvenz via Insolvenzbekanntmachungen öffentlich und bestellt einen Insolvenzverwalter. Nachdem die Gläubigerversammlung stattgefunden hat, verwertet er Ihr verbleibendes Vermögen. Anschließend verteilt er die Summe an Ihre Gläubiger.

4. Phase: Restschuldbefreiungsverfahren / Wohlverhaltensphase

Im Prinzip beginnt diese Phase ebenfalls direkt nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Im Restschuldbefreiungsverfahren überlassen Sie dem Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder den pfändbaren Teil ihres Nettoeinkommens. Diese gepfändeten Beträge zahlt der Treuhänder einmal jährlich an Ihre Gläubiger.

In der Wohlverhaltensphase dürfen Sie gem. § 295 InsO die folgenden 5 Obliegenheiten nicht verletzen. Ansonsten droht die Versagung der Restschuldbefreiung.

  • Sie müssen sich um einen angemessenen Arbeitsplatz bemühen,
  • die pfändbaren Einkommensbeträge an den Treuhänder zahlen,
  • das halbe Erbschaftsvermögen an den Treuhänder abgeben (in der Wohlverhaltensperiode, davor jedoch zu 100%),
  • den Treuhänder über jeden Wechsel von Wohnort oder Arbeitgeber informieren und
  • alle Zahlungen ausschließlich an den Treuhänder leisten. Zahlungen an einzelne Gläubiger sind untersagt, um ein Bevorteilung zu vermeiden.

Privatinsolvenz - Ziel erreicht - Restschuldbefreiung / auf dem Foto: Figur läuft durch das Ziel

Wenn Sie alle Pflichten erfüllen, erteilt das Insolvenzgericht am Ende der Privatinsolvenz die Restschuldbefreiung. Danach können Sie finanziell neu durchstarten!


5. Was bleibt mir in der Privatinsolvenz zum Leben?

Die Antwort auf diese Frage interessiert Schuldner logischerweise oft am meisten …

Bei der Gestaltung der Insolvenzordnung hat der Staat darauf geachtet, dass Ihr Existenzminimum während der Insolvenzphase gesichert ist. Daher bekommt der Insolvenzverwalter / Treuhänder nur den pfändbaren Teil Ihres Einkommens.

Wie viel genau gepfändet wird, erfahren Sie in der aktuellen Pfändungstabelle (2017, 2018, 2019). Ihr individueller Pfändungsfreibetrag richtet sich dabei auch nach Ihren Unterhaltsverpflichtungen.

Auszug aus der aktuellen Pfändungstabelle

Hinweise: Alle Beträge in EUR! Für die volle Breite das Smartphone ggf. horizontal halten.

Nettoeinkommen Pfändungsbetrag (Anzahl unterhaltspflichtige Personen)
  0 1 2 3 4 5
1140 -1149,99 4,34 0 0 0 0 0
1150 -1159,99 11,34 0 0 0 0 0
1790 -1799,99 459,34 114,75 0 0 0 0
1800 -1809,99 466,34 119,75 0 0 0 0
1810 -1819,99 473,34 124,75 4,70 0 0 0
3470 -3475,79 1635,34 954,75 668,70 430,21 239,26 95,86


Beispiel:

  • Wer kinderlos ist und 1.800 EUR netto verdient, zahlt 466,34 EUR an seine Gläubiger.
  • Bei gleichem Lohn / Gehalt und einem Kind reduziert sich die Abgabe auf 119,75 EUR.
  • Hat der Schuldner mehr als ein Kind, bleibt ihm hingegen sein volles Einkommen.

TIPP: Mit unserem Pfändungsrechner können Sie den pfändungsfreien Anteil Ihres Nettoeinkommens schnell und bequem ausrechnen!

Einige Bestandteile des Einkommens sind glücklicherweise pfändungsfrei, z.B. Urlaubsgeld, Gefahrenzulagen, Reisekostenvergütungen, Weihnachtsgeld (bis 500,- Euro) und 50% der Bruttobezüge für Überstunden.


6. Wie teuer ist eine Privatinsolvenz?

Eine exakte Einschätzung ist an dieser Stelle nicht möglich. Generell entstehen Kosten für das Insolvenzgericht, den (vorläufigen) Insolvenzverwalter / Treuhänder und ggf. den Rechtsanwalt / Anwalt für Insolvenzrecht bzw. Schuldnerberater. Mit einem Beratungsschein können Sie Ihre Kosten ggf. senken.

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7. Privatinsolvenzen in Deutschland

Privatinsolvenzen in Deutschland 1999 bis 2017 (Quelle: Statistisches Bundesamt)


II. VORTEILE EINER PRIVATINSOLVENZ

Sind Sie bereits zahlungsunfähig? Wachsen Ihnen die Schulden scheinbar unaufhaltsam über den Kopf? Eine Einigung mit Ihren Gläubigern ist unmöglich? Dann kann die Insolvenz Ihre beste Chance auf eine schuldenfreie Zukunft sein!

Problem: Schulden - Lösung: Privatinsolvenz / Figur steht vor einem Scheideweg

Die Privatinsolvenz hat nicht nur aus finanzieller, sondern auch aus psychischer Sicht viele Vorteile. Waren sie vorher dem Druck Ihrer Gläubiger und den Vollstreckungsversuchen von Gerichtsvollziehern ausgeliefert, können Sie nun Ihre Geschicke wieder weitestgehend selbst bestimmen. Da der Partner, die Familie und Freunde häufig mit leiden, werden auch sie entlastet.

Mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens beginnt Ihre Entschuldung. Durch die festgelegten “Spielregeln” ist von Anfang an klar, wann Sie Ihre Schulden abgetragen haben. Übrigens zahlen viele Schuldner vor dem Insolvenzverfahren oftmals mehr Geld an ihre Gläubiger, als sie es aus rechtlicher Sicht eigentlich müssten. Auch das ist nun vorbei.

Wenn das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, gilt der Pfändungsschutz. Ab sofort ist es Ihren Gläubigern verboten, eine Zwangsvollstreckung durchzuführen. So bleibt Ihr pfändungsfreies Einkommen unangetastet. Ohne Verbraucherinsolvenz dürfen Ihre Gläubiger 30 Jahre lang bei Ihnen pfänden.

Zudem ist eine vorzeitige Restschuldbefreiung möglich. So können Sie bereits nach drei oder fünf Jahren schuldenfrei sein. Wenn Sie in diesem Zeitraum 35 Prozent der Schulden sowie die Verfahrenskosten beglichen haben, endet das Verfahren nach 3 Jahren. Wenn Sie die Verfahrenskosten komplett begleichen, erfolgt die Befreiung von Ihren Schulden nach fünf Jahren. Andernfalls sind Sie nach sechs Jahren schuldenfrei.


III. VORTEILE IM ÜBERBLICK

Sie …

  • haben die Aussicht auf ein schuldenfreies Leben nach maximal 6 Jahren.
  • können bereits nach 3 oder 5 Jahren schuldenfrei sein.
  • genießen mit Insolvenzeröffnung Pfändungsschutz. Daher sind Lohnpfändungen oder Kontopfändungen durch Gläubiger (und Gerichtsvollzieher) nicht mehr möglich.
  • werden durch Pfändungsfreigrenzen geschützt. Ihr Existenzminimum ist gesichert.
  • müssen nicht mehr direkt mit Ihren Gläubigern kommunizieren.
  • erhalten keine “bösen Briefe” mehr, z.B. Mahnungen oder Vollstreckungsbescheide.
  • wissen genau, wie hoch Ihre monatlichen Ausgaben sind. So gewinnen Sie schnell ein Stück Selbstbestimmung zurück.
  • dürfen Verträge beenden und müssen die Kündigungsfrist nicht beachten. Eine Insolvenz ist quasi ein Sonderkündigungsrecht. Das hilft Ihnen beim “Ausmisten”.
  • können in Ihrer Wohnung bleiben. Ihr Vermieter darf Ihnen nicht kündigen.

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine Privatinsolvenz gewöhnlich ohne größere Probleme durchlaufen wird. Wenn andere das schaffen, schaffen Sie das auch!


IV. NACHTEILE EINER PRIVATINSOLVENZ

Sie können die Insolvenz nicht vor Ihrem Arbeitgeber geheim halten. Schließlich zahlt er das pfändbare Einkommen an den Insolvenzverwalter.

Es gibt auch Schulden, von denen Sie nach der Restschuldbefreiung nicht befreit werden. Dazu gehören Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubter Handlung. Dementsprechend bleiben z.B. Schulden wegen Betrugs sowie Bußgelder und andere Strafgelder bestehen.

Das in Deutschland relativ langwierige Verfahren geht für den Verbraucher zudem mit Einschränkungen und Auflagen einher. Sämtliche Finanzen müssen offengelegt werden und das Vermögen wird verpfändet. Sie dürfen u.a. nicht vergessen, dem Verwalter Ihren Wohnorts- oder Arbeitsplatzwechsel mitzuteilen.

Es wird erwartet, dass Sie sich um ein Einkommen bzw. einen Job bemühen. Ein weiterer Nachteil der Privatinsolvenz ist die schlechte Bonität (und ein niedriger Schufa-Score), wodurch die Kreditwürdigkeit sinkt. Letzten Endes ist dies allerdings in den meisten Fällen ohnehin bereits eingetreten und die Nachteile der Privatinsolvenz sind weniger einschneidend, als es gerade klingen mag.

Zu guter Letzt könnten Sie es als Nachteil empfinden, dass Privatinsolvenzen veröffentlicht werden. Das ist seit 2002 über die Website Insolvenzbekanntmachungen.de der Fall.


V. NACHTEILE IM ÜBERBLICK

  • Es bleibt Ihnen monatlich “nur” der pfändungsfreie Betrag des Nettoeinkommens. Den Rest überweisen Sie an den Treuhänder.
  • Sie müssen ggf. Einschränkungen im Konsumverhalten hinnehmen. Der Abschluss von Ratenkrediten ist i.d.R. nicht möglich.
  • Die Vermögensbestandteile, die Sie nicht zwingend zum Leben benötigen, verwertet der Insolvenzverwalter. Dazu kann u.U. auch Ihr Auto gehören.
  • Das Insolvenzverfahren wird öffentlich gemacht (Insolvenzbekanntmachungen.de). Dritte könnten also erfahren, dass Sie sich in der Privatinsolvenz befinden.
  • Ihr Arbeitgeber weiß über Ihre Privatinsolvenz bescheid. Da Abläufe in der Lohnbuchhaltung und zusätzliche Arbeit nötig ist, sind viele Arbeitgeber nicht begeistert. Zwar ist die Insolvenz kein Kündigungsgrund, aber in Sachen Probezeit und Jobsuche sicherlich kein Vorteil.
  • Wenn Sie eine neue Wohnung suchen oder Verträge wechseln möchten, ist das aufgrund der schlechten Bonität (geringe Kreditwürdigkeit) nur unter erschwerten Bedingungen möglich.
  • Sie dürfen in der Wohlverhaltensphase nicht gegen die 5 Obliegenheiten verstoßen. Dazu gehört eine große Portion Selbstdisziplin.
  • Falls Sie arbeitslos sind, müssen Sie sich in ausreichendem Maße um einen Job bemühen.
  • Einige Schulden verschwinden nicht durch ein Privatinsolvenzverfahren, z.B. Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubten Handlungen. Dazu zählen u.a. Betrug, sowie Bußgelder und Strafgelder.
  • Sie bekommen einen negativen Schufa-Eintrag, der erst drei Jahre nach der Restschuldbefreiung gelöscht wird. Das bremst den finanziellen Neuanfang etwas.
  • Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Insolvenzverfahren in Deutschland immer noch ein langwieriger Prozess, der mit viel Bürokratie einhergeht.

VI. FAZIT

Der wichtigste Vorteil einer Privatinsolvenz ist der, dass Sie anschließend komplett schuldenfrei sind. Sie können bei Null anfangen und haben wieder eine echte Perspektive. Nach drei bis sechs Jahren – unabhängig von der Schuldensumme – haben Sie keine Schulden mehr.

Privatinsolvenz Fazit - Vorteile überwiegen / Figur mit großer Lupe

Sie müssen keine Besuche vom Gerichtsvollzieher oder überraschende Pfändungen befürchten. Das Existenzminimum ist gesichert. Außerdem fällt es Ihnen wieder leichter, den Überblick über Ihre Finanzen zu behalten.

Da viele Nachteile auch ohne Insolvenzverfahren auftreten und die Gefahr besteht, dass die Situation unter finanziellen, psychischen und sozialen Gesichtspunkten noch weiter außer Kontrolle geraten kann, ist es bei hohen Schulden häufig die richtige Entscheidung, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und ggf. einen Insolvenzantrag zu stellen.

Die Privatinsolvenz kann auf jeden Fall ein finanzieller Rettungsring sein!


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