Wohnungssuche während der Privatinsolvenz

27.07.2017

Eine neue Mietwohnung während der Privatinsolvenz – geht das? Es kann viele Gründe dafür geben, während eines laufenden Privatinsolvenzverfahrens eine neue Wohnung zu suchen. Immerhin dauert es regelmäßig 5 bis maximal 6 Jahre bis zur Restschuldbefreiung.

Einige Betroffene suchen nach einer kleineren und günstigeren Bleibe aus Kostengründen, andere haben eine Stellung in einer anderen Stadt in Aussicht. Mit welchen Schwierigkeiten muss man rechnen?

Vermieter können Vorurteile haben

Viele Vermieter kennen sich mit den Einzelheiten des Privatinsolvenzverfahrens nicht aus. Sie können deshalb fälschlicherweise davon ausgehen, dass ein Mieter mit einem solchen laufenden Verfahren ein unzuverlässiger Zahler ist.

Auch ist es besonders im privaten Wohnungsgewerbe üblich, von einem potentiellen Mieter eine Schufa-Anfrage zu verlangen. Insoweit lässt sich die Insolvenz oft auch nicht verschweigen.

Fragt der Vermieter vor Abschluss des Mietvertrages ausdrücklich nach einem möglichen Insolvenzverfahren, empfiehlt es sich ehedem, wahrheitsgemäß zu antworten. Andernfalls könnte der Vermieter den Mietvertrag fristlos kündigen, wenn er später von der Verbraucherinsolvenz erfährt.

Entsprechende Vorbehalte privater Vermieter lassen sich insgesamt nur schwer überwinden, gerade auch in Regionen, in denen Wohnraum allgemein knapp ist. Unter Umständen ist deshalb ein öffentlicher Vermieter die bessere Alternative.

Antrag auf Wohnberechtigungsschein (WBS)

Die einzelnen Bundesländer bieten die Möglichkeit an, über einen Wohnberechtigungsschein (WBS) eine Wohnung der öffentlichen Hand zu bekommen, die mit öffentlichen Mittel gefördert wurde. Ob ein Anspruch auf die Erteilung eines WBS besteht, hängt vom eigenen Einkommen ab. Außerdem besteht der Anspruch je nach Personenzahl auf eine bestimmte Wohnungsgröße.

Für eine Person wird der WBS für eine Wohnung von maximal 50 Quadratmetern ausgestellt und die Einkommensgrenze beträgt 21710 EURO (Jahreswert – Werte aus Nordrhein-Westfalen). Ein WBS kann die Suche nach einer neuen Wohnung sehr erleichtern. Man kann gezielt in Zeitungsinseraten und bei entsprechenden Wohnungsgesellschaften selbst nach freien Mietwohnungen suchen, die einen WBS verlangen.

Kann man Umzugskosten erstattet bekommen?

Das kommt darauf an. Zieht man während eines laufendes Insolvenzverfahrens um, weil man eine neue Stelle in einen anderen Ort antritt, kann man beim neuen Arbeitgeber um eine Umzugsbeihilfe bitten. Dieser ist zwar nicht zur Gewährung verpflichtet, aber möglicherweise bereit, Umzugskosten in einem gewissen Umfang zu erstatten.

Bezieht man während der Insolvenz Leistungen nach Hartz IV, kann man beim Jobcenter einen Antrag auf Umzugsbeihilfen stellen. Die Gewährung steht im Ermessen des Jobcenters, wenn man auf eigene Initiative umzieht. Verlangt dagegen das Amt selbst den Umzug, steht es für die sogenannten Wohnbeschaffungskosten ein.

Wer Arbeitslosengeld bezieht, kann bei Antritt einer neuen Stelle in einer anderen Stadt ebenfalls einen Antrag auf Umzugsbeihilfe stellen. Man sollte allerdings in der Wohlverhaltensphase nicht versuchen, die Kaution des alten Vermieters in das neue Mietverhältnis zu investieren: Sie steht vor dem Schlusstermin dem Insolvenzverwalter zu.

Vor allem gilt beim Umzug während der Privatinsolvenz eines: Geduld haben und nicht aufgeben!

 

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