Insolvenzen im ersten Halbjahr 2017

29.08.2017

Laut der Creditreform Wirtschaftsforschung ist die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2017 erneut rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr mussten 7,5% weniger Personen eine Privatinsolvenz anmelden. Die Gesamtzahl der Verbraucherinsolvenzverfahren lag bei 36.300 (im Vorjahr: 39.240). Auch im gewerblichen Bereich gibt es positive Nachrichten. Während im ersten Halbjahr 2016 noch 10.950 Unternehmen eine Firmeninsolvenz angemeldet haben, sind es ein Jahr später nur noch 10.300 (minus 5,9%).

Sofern die wirtschaftliche Situation in den restlichen Monaten des Jahres 2017 stabil bleibt, sieht es stark danach aus, dass die Zahl der Insolvenzen seit 2010 weiterhin kontinuierlich sinkt. Die wesentlichen Ursachen dieser Entwicklung sehen die Experten in der guten Konjunktur sowie in der Niedrigzinspolitik der EZB (Europäische Zentralbank). Diese Faktoren tragen dazu bei, dass sich die Arbeitslosenquote auf einem niedrigen Niveau befindet und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter zulegt.

Firmeninsolvenzen 2017: Unternehmen bekommen günstige Kredite

Die aktuelle Zinspolitik macht es Unternehmen einfacher, sich Kredite zu besorgen und Investitionen zu tätigen. Zudem fällt es leichter, temporäre Krisenphasen zu überstehen, ohne in eine finanzielle Schieflage zu geraten.

Den Rückgang der Insolvenzen kann man am besten anhand der Insolvenzquoten in den Hauptwirtschaftsbereichen (Baugewerbe, Handel, Dienstleistungen, verarbeitendes Gewerbe) veranschaulichen. Diese sinkt in den vier Branchen seit fast zehn Jahren stetig, teilweise sogar drastisch. Das ist auch der Fall, wenn man die Halbjahre 2017 und 2016 miteinander vergleicht. Hervorzuheben ist dabei der Bausektor. Dort gab es im ersten Halbjahr 2017 nur noch 85 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen (im Vorjahr: 92).

An dieser Stelle ist noch erwähnenswert, dass nicht jeder die Entwicklung der Insolvenzzahlen als ausschließlich positiv einschätzt. Einige Experten warnen insbesondere davor, dass sich viele Unternehmen nur dadurch vor der Firmeninsolvenz retten können, weil sie leichter an Geld kommen. Das führe dazu, dass die "natürlichen" Ausleseprozesse umgangen werden und Unternehmen weiter existieren können, obwohl das Geschäftsmodell nicht tragfähig ist.

Privatinsolvenzen 2017: Mehr Beschäftigung, weniger Insolvenzverfahren

Unternehmen investieren verstärkt in Personal, wodurch die Arbeitslosenquote sinkt und die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse zunimmt. Darüber hinaus steigt in vielen Einkommensklassen das Realeinkommen. Viele Arbeitnehmer haben dementsprechend mehr Geld zur Verfügung, was im Endeffekt zu einem Rückgang der Privatinsolvenzverfahren führt.

Das ist soweit ein positiver Trend. Um die Gesamtsituation besser beurteilen zu können, sollte man nicht nur die Zahl der Verbraucherinsolvenzen anschauen, sondern auch die Zahl der überschuldeten Personen. Eine Überschuldung liegt - vereinfacht - dann vor, wenn die Ausgaben höher sind als die Einnahmen und der Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen über einen längeren Zeitraum nicht erfüllen kann.

Von 2013 bis 2016 stieg die Zahl der überschuldeten Personen (über 18 Jahren) von 6,58 auf 6,85 Millionen. Die Überschuldungsquote lag damit 2016 bei über 10%. Erst wenn die Zahlen für 2017 vorliegen, wird sich herausstellen, wie man die Entwicklung der Schulden im privaten Sektor bewerten muss.

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