PRIVATINSOLVENZ

Privatinsolvenz ist die umgangssprachliche Bezeichnung für die Verbraucherinsolvenz. Zahlungsunfähige Personen werden bei dieser gerichtlichen Schuldenregulierung gem. InsO nach max. 6 Jahren von ihren Schulden befreit. Voraussetzung ist eine erfolgreiche Wohlverhaltensphase.

Inhalt dieser Seite

1. Wer kann eine Privatinsolvenz beantragen?
2. Abgrenzung Regelinsolvenz / Verbraucherinsolvenz
3. Die wichtigsten Voraussetzungen für eine private Insolvenz
4. Wie lange dauert es bis man schuldenfrei ist?
5. Insolvenzrechtsreform vom 01.07.2014
6. Vorteile einer Privatinsolvenz
7. Nachteile eines Verbraucherinsolvenzverfahrens
8. Wieviel Geld bleibt dem Schuldner während der Insolvenz?
9. Der Ablauf eines Privatinsolvenzverfahrens
10. Obliegenheiten in der Insolvenz
11. Unterschiede zwischen anwaltlicher Beratung und gemeinnütziger Schuldnerberatungsstelle
12. So geht die Schuldnerberatung Schulz vor (Videoclip)
13. Welche Kosten entstehen während einer Privatinsolvenz?
14. Verbraucherinsolvenzen in Deutschland seit 1999
15. Überschuldete Personen in Deutschland
16. Interessantes zum Thema Verbraucherinsolvenz
17. FAQ Privatinsolvenz
18. Insolvenzordnung verständlich


Droht Ihnen die Zahlungsunfähigkeit? Oder sind Sie bereits überschuldet? Mahnungen und Vollstreckungsbescheide gehören zu Ihrem Alltag?

Unsere Schuldnerberatung unterstützt Sie in jeder Phase der Privatinsolvenz. Vorher prüfen wir jedoch gründlich, ob noch ein außergerichtlicher Vergleich mit Ihren Gläubigern möglich ist. Das ist für jeden Schuldner der schnellere und bessere Weg in eine schuldenfreie Zukunft.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Verwenden Sie einfach unser Formular, um eine unverbindliche und kostenlose Erstberatung zu vereinbaren!


 

1. Wer kann eine Privatinsolvenz beantragen?

Die Verbraucherinsolvenz wurde 1999 auf Grundlage der Insolvenzordnung (InsO) eingeführt und bietet bei einer Überschuldung die Chance auf Entschuldung und einen finanziellen Neuanfang.

Für natürliche Personen, die noch nie selbständig waren, ist eine Anmeldung zum Privatinsolvenzverfahren jederzeit möglich, unabhängig von der Anzahl der Gläubiger.

Dazu gehören u.a.

Ehemalige Selbständige können das Verbraucherinsolvenzverfahren ebenfalls beantragen. Sie dürfen jedoch nicht mehr als 19 Gläubiger oder Verbindlichkeiten aus Arbeitsverhältnissen (z.B. ausstehende Löhne und Gehälter) haben.

Ehemalige Selbständige, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, sowie juristische Personen haben keinen Anspruch auf eine Verbraucherinsolvenz und müssen auf eine Regelinsolvenz bzw. Firmeninsolvenz ausweichen.

 

Letzte Mahnung ... Bei vielen Menschen ist der Weg in die Insolvenz nicht mehr weit.

Letzte Mahnung … Bei vielen Menschen ist der Weg in die Insolvenz dann nicht mehr weit.

2. Abgrenzung Regelinsolvenz / Verbraucherinsolvenz
Grafik / Schaubild: Unterschiede Regelinsolvenz / Privatinsolvenz (Verbraucherinsolvenz)

3. Die wichtigsten Voraussetzungen für eine private Insolvenz

Die zwei wichtigsten Voraussetzungen, um erfolgreich einen Antrag auf Privatinsolvenz zu stellen, sind:

Als Schuldnerberater ist es unser oberstes Ziel, eine außergerichtliche Lösung mit Ihren Gläubigern zu finden und ein Insolvenzverfahren zu vermeiden. Das ist der einfachste und für Sie günstigste Weg, da Sie dadurch Gerichtsgebühren und die Kosten für einen Insolvenzverwalter vermeiden.

Sollten unsere Bemühungen scheitern, was selten der Fall ist, begleiten wir Sie in die Verbraucherinsolvenz. Als „geeignete Stelle“ bescheinigen wir Ihnen den außergerichtlichen Schuldenbereinigungsversuch (nach § 305 InsO).

Wie man im Detail eine Privatinsolvenz beantragt, erfahren Sie hier.

4. Wie lange dauert es bis man schuldenfrei ist?

Nachdem das Gericht das Insolvenzverfahren eröffnet hat, dauert es maximal sechs Jahre bis zur Restschuldbefreiung.

Seit dem 1. Juli 2014 und der Reform des Insolvenzrechts (siehe Punkt 5) ist eine Verkürzung des Verfahrens möglich. Fünf Jahre dauert das Verfahren, wenn der Schuldner es schafft, die gesamten Verfahrenskosten zu begleichen.

Damit die Insolvenz nur drei Jahre dauert, muss der Schuldner in diesem Zeitraum mindestens 35% seiner Schulden (inkl. Verfahrenskosten) zahlen, was jedoch in der Praxis nicht so häufig vorkommt. Ob das in Ihrem Fall realistisch ist, können Sie mit Hilfe unseres Schuldenfrei-Rechners schnell herausfinden!

5. Insolvenzrechtsreform vom 01.07.2014

Die Insolvenzrechtsreform sollte nicht nur Erleichterungen für den Schuldner bringen und ihnen eine frühere Chance zum Neubeginn ermöglichen, sondern auch die Rechte der Gläubiger stärken. So haben Schuldner durch die Aktualisierung der Insolvenzordnung unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, die Restschuldbefreiung bereits nach 3 oder 5 Jahren zu erhalten.

Gleichzeitig erschweren neue Ausnahmen und die Neuregelung der Versagungsgründe unredlichen Schuldner die Restschuldbefreiung. Wurde die Restschuldbefreiung rechtskräftig versagt, kann nunmehr ein erneuter Insolvenzantrag schon nach fünf Jahren gestellt werden. Gläubiger können bereits während des laufenden Insolvenzverfahrens einen Antrag stellen, dem Schuldner die Restschuldbefreiung zu versagen.

Durch den Wegfall des § 312 Abs. 3 InsO ermöglicht das Verbraucher-Insolvenzplanverfahren nunmehr auch Privatpersonen im Rahmen eines Vergleichs eine Entschuldung zu erreichen. Die Eigenverwaltung gemäß § 270 Abs. 1 S. 3 InsO ist jedoch weiterhin nicht möglich.

Im Zuge der Insolvenzrechtsreform wurde § 114 InsO ersatzlos gestrichen. Laufende Lohn- bzw. Gehaltsansprüche, die vor dem Insolvenzverfahren abgetreten wurden, fallen nunmehr automatisch in die Insolvenzmasse.

6. Vorteile einer Privatinsolvenz

  • Schuldenfrei nach drei, fünf oder sechs Jahren (mit einem Insolvenzplanverfahren ggf. schneller)
  • Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens darf nicht mehr gepfändet werden, d.h. z.B. keine Konto- oder Lohnpfändungen mehr
  • Existenzminimum ist gesichert
  • Finanzieller Neustart
  • Schufa-Einträge werden gelöscht (drei Jahre nach Ablauf der Wohlverhaltensphase)

Ja, ich möchte eine kostenlose Erstberatung!

7. Nachteile eines Verbraucherinsolvenzverfahrens

  • Arbeitgeber muss informiert werden – Änderungen in der Lohnbuchhaltung notwendig
  • Einschränkung des Konsumverhaltens – z.B. Ratenkäufe nicht mehr möglich
  • Rechenschaftspflicht gegenüber dem Treuhänder / Insolvenzverwalter
  • Wohnungs- und Vertragswechsel (z.B. Strom- oder Telefonanbieter) kaum möglich

Weitere Vor- und Nachteile einer Verbraucherinsolvenz.

 

Ein hoher Schuldenberg kann  psychisch sehr belastend sein.

Ein hoher Schuldenberg kann psychisch sehr belastend sein.

8. Wieviel Geld bleibt dem Schuldner während der Insolvenz?

Bei Schuldnern mit einem Einkommen bis zu 1.139 Euro (netto) wird nichts gepfändet. Die Pfändungstabelle 2017 beginnt bei 1.140 Euro und bestimmt in 10-Euro-Schritten die jeweilige Pfändungsfreigrenze.  Dabei handelt es sich um den Betrag, den der Schuldner trotz Pfändung während der Privatinsolvenz behalten darf.

Beim Thema Pfändungsschutz ist es auch wichtig, für wieviele Kinder Unterhalt gezahlt werden muss. Die Obergrenze liegt bei 3.475,79 Euro, d.h. darüber kann voll gepfändet und an die Gläubiger ausgezahlt werden.

Beispiele:

  • Wer kinderlos ist und 1.800 Euro netto verdient, zahlt 466,34 Euro an seine Gläubiger.
  • Bei gleichem Lohn / Gehalt und einem Kind reduziert sich die Abgabe auf 119,75 Euro.
  • Hat der Schuldner drei Kinder, bleibt ihm hingegen sein volles Einkommen.

Hier geht es zu unserem Pfändungsrechner!

9. Der Ablauf eines Privatinsolvenzverfahrens

Das Insolvenzverfahren für Verbraucher gliedert sich i.d.R. in folgende Abschnitte:

1. Außergerichtliche Schuldenregulierung

Es wird ein Schuldenbereinigungsplan erarbeitet, dem ALLE Gläubiger zustimmen und dementsprechend auf Zahlungen und Forderungen verzichten müssen. Stimmt nur ein Gläubiger gegen den Plan, bleibt dem Schuldner der Weg in die Privatinsolvenz.

2. Gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren

Der Schuldner beantragt das Verbraucherinsolvenzverfahren und muss dafür z.B. die Bescheinigung nach § 305 InsO über das Scheitern der außergerichtlichen Einigung vorweisen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein gerichtlicher Einigungsversuch zustande kommt, ist relativ gering.

3. Privatinsolvenzverfahren

Sollte es auch auf diesem Wege zu keinem Schuldenbereinigungsplan gekommen sein, entscheidet das Insolvenzgericht über den Insolvenzantrag. Im Normalfall wird dann das Insolvenzverfahren eröffnet und das Insolvenzgericht bestimmt einen Insolvenzverwalter.

4. Wohlverhaltensperiode

Während dieser Phase muss der Schuldner den pfändbaren Anteil seines Einkommens an einen Treuhänder zahlen. Wenn sich sein Beschäftigungsverhältnis oder seine Adresse ändert, muss der Treuhänder in Kenntnis gesetzt werden. Hier finden Sie weitere Details zur Wohlverhaltensphase!

5. Restschuldbefreiung

Hat der Schuldner alle Verpflichtungen erfüllt, hat er sich endgültig von seinen Schulden befreit. Hier finden Sie weitere Details zur Restschuldbefreiung! Unter bestimmten Umständen kann auch eine Versagung der Restschuldbefreiung erfolgen.

Jetzt Beratungsgespräch vereinbaren!

 

Eine professionelle Insolvenzberatung ist das A und O!

Eine professionelle Schuldnerberatung bzw. Insolvenzberatung ist das A und O!

10. Obliegenheiten in der Insolvenz

Schuldner haben im Insolvenzverfahren bis zum Ende der Wohlverhaltensperiode folgende Pflichten zu erfüllen (§ 295 InsO):

  • Aufnahme oder Bemühung um einen angemessenen Arbeitsplatz,
  • Abführung der pfändbaren Einkommensbeträge durch den Arbeitgeber an den Treuhänder,
  • Abgabe des halben Erbschaftsvermögens an den Treuhänder (in der Wohlverhaltensphase, davor jedoch zu 100%),
  • Mitteilung über jeden Wechsel von Wohnort oder Arbeitgeber,
  • keine Zahlungsleistungen an einzelne Gläubiger, sondern ausschließlich an den Treuhänder, um ein Bevorteilung von Gläubigern zu vermeiden.

11. Unterschiede zwischen anwaltlicher Beratung und gemeinnütziger Schuldnerberatungsstelle

Wer als Privatperson hohe Schulden hat und professionelle Hilfe sucht, kann sich an einen Rechtsanwalt für Insolvenzrecht wenden oder eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen. In diesem Absatz möchten wir Ihnen die wichtigsten Unterschiede erläutern:

1. Wartezeit 

Öffentliche Beratungsstellen sind in Deutschland meist stark überlastet. Hier kann es zu wochen- oder monatelangen Wartezeiten kommen. Wenn Sie Ihre finanziellen Probleme schnell(er) in den Griff bekommen möchten, ist eine gemeinnützige Einrichtung die falsche Wahl. Unsere Schuldnerberatung ist zeitlich deutlich flexibler und hilft Ihnen umgehend.

2. Juristische Expertise

Mitarbeiter von gemeinnützigen Schuldnerberatungsstellen sind i.d.R. gut geschult und engagiert, jedoch keine Rechtsanwälte. Bei uns sind Sie während des gesamten Insolvenzverfahrens rechtlich auf der sicheren Seite.

3. „Schreibkram“

Leider ist die Durchführung einer Privatinsolvenz mit viel Bürokratie verbunden. Während Sie die öffentlichen Schuldnerberater damit größtenteils alleine lassen, übernehmen wir die Schreibarbeit und überprüfen alle Dokumente – auch dahingehend, ob überhaupt alle Forderungen berechtigt sind. Nachdem wir anfangs Ihre Mitarbeit benötigen, können Sie sich anschließend quasi zurücklehnen.

4. Umgang mit Gläubigern (und Gerichten)

Bevor wir Ihnen den Weg in die Insolvenz empfehlen, nutzen wir alle Chancen, um (doch noch) einen außergerichtlichen Vergleich zu ermöglichen. Dafür verhandeln wir in Ihrem Namen mit Ihren Gläubigern. Im Umgang mit Gläubigern sind wir versiert und sehr erfahren (siehe Verhandlungsergebnisse). Gemeinnützigen Einrichtungen fehlt meist die Zeit und das Personal, um diesen Weg auszuprobieren.

5. Kosten

Gemeinnützige Schuldnerberatungsstellen arbeiten kostenlos. Das ist für einen Anwalt natürlich nicht möglich, zumal Sie von ihm deutlich mehr Leistungen bekommen (siehe Punkte 1 bis 5).

12. So geht die Schuldnerberatung Schulz vor

Im folgenden Videoclip erfahren Sie, wie wir im „Kampf“ gegen Ihre Schulden vorgehen:

Ja, ich möchte mich beraten lassen!

13. Welche Kosten entstehen während einer Privatinsolvenz?

In einem Insolvenzverfahren für Verbraucher fallen generell Kosten für das Gericht, den Treuhänder sowie für den begleitenden Anwalt oder Schuldenberater an. Eine Kostenprognose ist meist im Vorwege nur schwer möglich.

Die Gerichtskosten hängen von der Gläubigerzahl ab und beinhalten die Gebühren sowie die Zustellungsausgaben für Beschlüsse oder Veröffentlichungen. Die Gerichtskostenhöhe richtet sich dabei nach dem pfändbaren Vermögen des Schuldners, belaufen sich in der Regel jedoch auf mindestens 300 bis 500 Euro.

Auf Antrag ist eine Stundung der aufgelaufenen Gerichtskosten bis zur Restschuldbefreiung und die Ratenzahlung möglich (§ 4a InsO). Die Ratenhöhe hängt vom Schuldnereinkommen am Ende der Wohlverhaltensphase ab. Gemäß § 4b InsO sowie §§ 115, 120 ZPO besteht die Möglichkeit, dass keine weiteren Zahlungen mehr getätigt werden müssen, wenn die Ratenbeträge niedrig angesetzt und die Gerichtskosten nach 48 Monaten nicht vollständig gezahlt wurden.

Beratungskosten senken durch Beratungsschein

Bei den Kosten des Treuhänders fällt ein einmaliger Betrag für die Insolvenzverwaltung an. Des Weiteren erhält der Treuhänder eine jährliche Vergütung für die Verteilung der pfändbaren Schuldnerbeträge, die sich nach der Gläubigeranzahl richtet. Während der Wohlverhaltensphase erhält er zudem jährlich 5% (mind. 100 Euro zzgl. MwSt.) der pfändbaren Schuldnerbeträge.

Die Anwalts- bzw. Schuldenberatungskosten können in vielen Fällen durch einen Beratungsschein gesenkt werden, der beim Amtsgericht zu bekommen ist. Allerdings werden mit dem Beratungsschein lediglich die Kosten abgedeckt, die für die Beratung bis zur Erteilung einer Bescheinigung gemäß § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO (außergerichtliches Scheitern des Schuldenbereinigungsversuchs) anfallen. Die Antragstellung für die Privatinsolvenz und deren Vertretung während des Eröffnungsverfahrens sind im Beratungsschein nicht inbegriffen.

14. Verbraucherinsolvenzen in Deutschland seit 1999

Die Einführung der Insolvenzordnung im Jahr 1999 sorgte dafür, dass …

  • sich redliche Schuldner komplett von ihren Schulden befreien können,
  • Gläubiger möglichst gleichmäßig befriedigt werden und
  • der Schuldner während der Insolvenz seinen Lebensunterhalt sichern kann.

Laut Statistischem Bundesamt haben von 1999 bis 2017 1.317.723 Schuldner eine Verbraucherinsolvenz beantragt.

 

Privatinsolvenzen in Deutschland 1999 bis 2017 (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Nach einem etwas zögerlichen Start legte die Zahl der Privatinsolvenzverfahren in den Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise (ab 2007) deutlich zu. Die meisten Anträge wurden 2010 gestellt.

Seit 2012 gehen immer weniger Schuldner in eine Privatinsolvenz. Gründe für diese positive Entwicklung liegen vorrangig in der wirtschaftlichen Erholung und einer guten Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Im Jahr 2017 kam es zu einem weiteren starken Rückgang. 71.896 Schuldner meldeten eine Verbraucherinsolvenz an. Das ist der geringste Wert seit 2005.

15. Überschuldete Personen in Deutschland

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland eine Privatinsolvenz beantragen, ist seit 2011 rückläufig. Laut Creditreform steigt seit 2014 jedoch die Zahl der überschuldeten Personen. Wer überschuldet ist, hat dauerhaft höhere Ausgaben als Einnahmen.

In 2017 waren ca. 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahren überschuldet, gleichbedeutend mit einer Überschuldungsquote von 10,04% und Schulden in einer Höhe von 209 Milliarden Euro. Dabei haben Männer (12,59%) deutlich häufiger Zahlungsprobleme als Frauen (7,61%). Die größten Zuwachsraten werden bei den Senioren verzeichnet. Das zeigt, wie schwerwiegend das Thema „Altersarmut“ ist. 

 

Überschuldete Personen in Deutschland

In finanziellen Fragen leider eine typische Handbewegung vieler Menschen

Doch wie ist es möglich, dass immer mehr Menschen überschuldet sind, es zeitgleich aber immer weniger Verbraucherinsolvenzverfahren gibt? Erstens gibt es viele Fälle mit geringer Überschuldungsintensität. Zweitens einigen sich viele Schuldner außergerichtlich mit ihren Gläubigern. Und drittens helfen Verwandte und Freunde über finanzielle Durststrecken hinweg.

Würde man die wirtschaftliche Situation privater Haushalte also ausschließlich anhand der Anzahl von Insolvenzanträgen beurteilen, käme man zu einem positiven Fazit. Bezieht man jedoch alle Personen mit ein, die langfristig weniger verdienen als ausgeben, ergibt sich leider ein eher negatives Bild.

16. Interessantes zum Thema Verbraucherinsolvenz

Artikel auf unserer Website:

Videos auf unserer Website:

Interessante Videos in den Medien:

Nach der Verbraucherinsolvenz: Endlich wieder schuldenfrei!

Nach der Verbraucherinsolvenz: Endlich wieder schuldenfrei!

Jetzt kostenlose Erstberatung vereinbaren!

17. FAQ Privatinsolvenz

In unserer alltäglichen Praxis begegnen uns immer wieder Fragen rund um die Insolvenz für Verbraucher, die sehr häufig gestellt werden. An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen eine kleine Auswahl:

1. Wird das Insolvenzverfahren im Führungszeugnis eingetragen?

Nein.

2. Kann man eine Verbraucherinsolvenz als Gläubiger verhindern? 

Nein.

3. Kann man ein Privatinsolvenzverfahren vorzeitig beenden? 

Ja. Durch einen Insolvenzplan, durch vollständige Zahlung aller Schulden oder durch die neuen gesetzlichen Regelungen – dann kann man nach 5 Jahren oder sogar 3 Jahren schuldenfrei sein.

4. Darf ich in der Insolvenzphase ein Auto besitzen?

Nur wenn der PKW für den Arbeitsweg zwingend erforderlich ist und wenn der Wert des Pkw bei rund 1.000,- bis 1.500,- EUR liegt.

5. Was passiert nach der Wohlverhaltensphase? 

Dann sind die Schulden mit Erteilung der Restschuldbefreiung „verschwunden“, d.h. sie sind nicht mehr gegen den Schuldner durchsetzbar. Die Erteilung der Restschuldbefreiung bleibt jedochnoch drei Jahre in der SCHUFA stehen.

6. Wie werde ich am schnellsten schuldenfrei? 

Mit einem außergerichtlichen Vergleich oder einem Insolvenzplan – jeweils mit kurzer Laufzeit.

7. Muss ich meine Immobilie verkaufen, wenn ich Insolvenz anmelde? 

Die Immobilie wird vom Insolvenzverwalter verwertet. Mit Insolvenzeröffnung verlieren Sie die Verfügungsbefugnis über Ihr Vermögen, d.h. Sie dürfen Ihre Immobilie nicht mehr veräußern. Es kann auch sein – sofern die Immobilie wertausschöpfend belastet ist – dass der Verwalter die Immobilie freigibt. Die Immobilie kann dann von den Grundschuldgläubigern weiter verwertet werden und auch eigenhändig veräußert werden.

8. Darf man während eines laufenden Insolvenzverfahrens auswandern? 

Ja. Sie benötigen nur bei Antragstellung einen Wohnsitz in Deutschland. Beachten Sie aber, dass die Restschuldbefreiung nur innerhalb der EU wirkt.

9. Darf man während der Privatinsolvenz neue Schulden machen bzw. einen Ratenkauf tätigen? 

Ja. Aber das wird schwierig aufgrund der SCHUFA-Einträge. Aber prinzipiell ist es erlaubt.

10. Darf man die Verbraucherinsolvenz auch im Ausland beantragen (Stichwörter: EU, England, Frankreich)?

Das darf man, sofern man dort einen Wohnsitz bzw. einen gewöhnlichen Aufenthaltsort hat.

11. Aus welchen Gründen kann eine Privatinsolvenz scheitern? 

Wegen Verstößen gegen die Obliegenheiten des Schuldners, z.B. wenn man der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht nicht nachkommt, falsche Angaben macht oder eine Zusammenarbeit in großen Teilen verweigert.

12. Gibt es Schulden, die durch eine Insolvenz nicht gelöscht werden? 

Ja. Verbindlichkeiten aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen (z.B. Betrug),  Buß- und Strafgelder, Steuerschulden aus einer Steuerhinterziehung sowie vorsätzlich und pflichtwidrig nicht gezahlter Unterhalt, werden von der RSB nicht umfasst.

13. Ich befinde mich in der Insolvenzphase und möchte mich selbständig machen. Geht das? 

Ja, das geht sehr gut! Sogar unter ziemlich charmanten Bedingungen. Sprechen Sie uns an!

14. Darf man während der Privatinsolvenz in den Urlaub fahren? 

Ja. Man sollte jedoch immer für den Insolvenzverwalter erreichbar sein. Dieses Verhalten zählt übrigens zu den Obliegenheiten eines Schuldners (Auskunfts- und Mitwirkungspflicht).

18. Insolvenzordnung verständlich

Das Insolvenzrecht kann insbesondere für Privatpersonen ziemlich verwirrend sein. Um Ihnen den Zugang zu diesem komplexen Thema etwas zu erleichtern, erläutern wir in unserer Ratgeber-Rubrik Insolvenzordnung verständlich die wichtigsten Paragraphen des Bundesgesetzes.

Für eine Verbraucherinsolvenz ist insbesondere der neunte Teil wichtig. Unter dem Titel „Verbraucherinsolvenzverfahren“ umfasst er § 304 InsO bis § 311 InsO. Darunter befindet sich z.B. auch der wichtige § 305 InsO, der den Eröffnungsantrag des Schuldners regelt.

  • KOSTENLOSE ERSTBERATUNG

    JETZT BERATUNGSGESPRÄCH VEREINBAREN!i

    Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere sie hiermit

    Die mit * markierten Felder sind Pflichtfelder