PRIVATINSOLVENZ

  • Die Privatinsolvenz bzw. Verbraucherinsolvenz ist die vereinfachte Variante des allgemeinen Insolvenzverfahrens (Regelinsolvenz) in Deutschland. Rechtliche Grundlage ist die Insolvenzordnung (InsO) von 1999.
  • Natürliche Personen können sich mit Hilfe einer Privatinsolvenz nach maximal 6 Jahren von allen Schulden befreien. Eine Verkürzung auf bis zu 3 Jahre ist unter bestimmten Umständen möglich.
  • Die wichtigste Voraussetzung für die Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens ist die (drohende) Zahlungsunfähigkeit. Darüber hinaus ist das von einer “geeigneten Person” bestätigte Scheitern eines außergerichtlichen Vergleichs zwingend notwendig.
  • Die eigentliche Privatinsolvenz umfasst zwei Phasen. Und zwar das eigentliche Insolvenzverfahren (Dauer: 6 Monate bis 2 Jahre) und das parallel beginnende Restschuldbefreiungsverfahren (Dauer: bis zu 6 Jahre).
  • Einerseits verwertet der Insolvenzverwalter das Vermögen des Schuldners und verteilt es an die Gläubiger. Andererseits überlässt der Schuldner dem Insolvenzverwalter (Treuhänder) bis zum Ende des Verfahrens den pfändbaren Teil seines Einkommens.
  • Wenn der Schuldner seine zusätzlichen Pflichten (Obliegenheiten) in der sogenannten Wohlverhaltensphase erfüllt, erteilt das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung. Infolgedessen kann der finanzielle Neustart beginnen!

INHALT DIESER SEITE

 


1. Ziele der Verbraucherinsolvenz

Die primären Ziele der Privatinsolvenz sind die gleichmäßige Verteilung des Vermögens an die Gläubiger (§1 InsO) und die Schuldenfreiheit (d.h. die Restschuldbefreiung) des Schuldners. Der Staat bietet diese Möglichkeit aber nicht nur aus reiner Wohltätigkeit an. Überschuldete Personen sollen wieder am Wirtschaftsleben teilnehmen – und in Zukunft möglichst nicht erneut in die Schuldenfalle tappen.

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens greift auch der Pfändungsschutz. Dieser ist für den Schuldner ebenfalls sehr wichtig. Schließlich haben Gläubiger dann keine Chance mehr, eine Pfändung zu veranlassen. Zudem müssen Schreiben von Gläubigern nicht mehr beachtet werden. Auch der Gerichtsvollzieher hat keinen Zugriff mehr auf das Vermögen des Schuldners.


2. Gründe für die Zahlungsunfähigkeit

Schulden sind heutzutage leider nichts Ungewöhnliches. Inzwischen gelten fast 10% der Deutschen als überschuldet. Obwohl viele von ihnen ein regelmäßiges Einkommen haben, können sie die laufenden Zahlungsverpflichtungen nicht mehr in vollem Umfang erfüllen.

Pfändungen, Besuche vom Gerichtsvollzieher und Mahnungen von Inkassounternehmen gehören in über 3 Millionen Haushalten schon zum Alltag. Obendrein sind Geldsorgen eine psychische Belastung, die sich auf das gesamte Familienleben negativ auswirken kann.

Privatinsolvenz, Schulden, Gründe für Zahlungsunfähigkeit, Mann mit leeren Hosentaschen

TIPP: Wenn Sie Geldprobleme haben, zahlen Sie zunächst die sogenannten Primärschulden. Das sind z.B. die Miete und Schulden bei Energieversorgern (Strom, Gas), dem Finanzamt oder der Krankenkasse. Anders formuliert: Existenzsicherung geht vor Schuldenregulierung!

Dabei gibt es Schuldner, die eher unverschuldet in die Schuldenfalle geraten sind. Krankheiten, Arbeitslosigkeit, Scheidung, Tod des Partners und andere Schicksalsschläge führen in vielen Fällen zu finanziellen Problemen. Auch Rentner, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, und dennoch eine Rente unter dem Existenzminimum beziehen, gehören unter dem Stichwort “Altersarmut” in diese Kategorie.

Andere geraten durch ein falsches Konsumverhalten quasi “sehenden Auges” in die Schuldenspirale. Beispielsweise geben sie zu viel Geld für Konsumgüter aus und schließen viele Ratenkredite ab (z.B. für Autos, Computer oder Smartphones). Dadurch leben sie ständig über ihre Verhältnisse.

Der Staat bietet Schuldnern Hilfestellung in Form von öffentlichen Schuldnerberatungsstellen. Auch die Privatinsolvenz ist ein staatliches Instrument, um überschuldete Personen zu unterstützen.

TIPP: Gehen Sie Ihre Finanzprobleme aktiv an! Meistens fühlen sich Schuldner schon nach dem ersten Kontakt mit einem Experten deutlich besser.

Ihre Schulden
wachsen Ihnen über den Kopf?
Starten Sie jetzt
in ein schuldenfreies Leben!


3. Voraussetzungen für die Eröffnung des privaten Insolvenzverfahrens

Das Insolvenzgericht prüft bei der Bearbeitung des Insolvenzantrags, ob der Schuldner die folgenden Voraussetzungen erfüllt: 

1. Natürliche Person

Eine Verbraucherinsolvenz kann nur von natürlichen Personen beantragt werden, die …

  • nicht selbständig sind und es bislang auch nicht waren.
  • zwar selbständig waren, aber bei weniger als 20 Gläubigern Schulden haben
  • UND keine Löhne (oder ähnliche Forderungen von Mitarbeitern) mehr begleichen müssen.

(Ehemalige) Selbständige, die die Voraussetzungen nicht erfüllen, fallen unter die Regelinsolvenz bzw. Firmeninsolvenz. Genauso wie juristische Personen haben sie keinen Anspruch auf ein Verbraucherinsolvenzverfahren.

Abgrenzung Verbraucherinsolvenz / Privatinsolvenz - Allgemeines Insolvenzverfahren (Regelinsolvenz)

Diese Personengruppen erfüllen i.d.R. die Voraussetzungen für eine Verbraucherinsolvenz:

2. Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung

Die Zahlungsunfähigkeit liegt vor (§ 17 InsO) oder steht unmittelbar bevor (§ 18 InsO). Der Schuldenberg ist so hoch, dass der Schuldner seine fälligen Verbindlichkeiten (zu einem gewissen Stichtag) nicht zurückzahlen kann.

3. Scheitern des Außergerichtlichen Vergleichs

Wer eine Privatinsolvenz beantragen möchte, muss zunächst versuchen, sich mit seinen Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Erst wenn ein außergerichtlicher Vergleich nicht gelingt, kann das Privatinsolvenzverfahren beantragt werden. Falls nur EIN Gläubiger dem Schuldenbereinigungsplan nicht zustimmt, scheitert der Vergleich.

Das Scheitern des Versuchs muss gemäß § 305 InsO von einer sogenannten “Geeigneten Person” oder “Geeigneten Stelle” bescheinigt werden. Als geeignet gilt z.B. ein Rechtsanwalt.

4. Deckung der Verfahrenskosten

Das Vermögen des Schuldners muss ausreichen, um die Verfahrenskosten zu decken. Bei einem geringen Einkommen ist auch eine Stundung der Kosten möglich, d.h. der Schuldner zahlt den Betrag erst nach der Restschuldbefreiung (in max. 48 Monatsraten).

5. Keine Versagungsgründe

Damit das Privatinsolvenzverfahren eröffnet werden kann, dürfen keine Versagungsgründe vorliegen. Das ist z.B. der Fall, wenn eine Sperrfrist besteht. Ein Schuldner hat eine Sperrfrist, wenn …

  • er innerhalb der letzten 10 Jahre eine Verbraucherinsolvenz durchlaufen hat,
  • ein Restschuldbefreiungsverfahren in den letzten 5 Jahren aufgrund einer Insolvenzstraftat gescheitert ist,
  • er innerhalb der letzten 3 Jahre falsche Angaben gemacht hat, um an einen Kredit zu kommen.

6. Wohnort

Der Lebensmittelpunkt des Schuldners muss sich in Deutschland befinden. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle.

7. Vermögens- und Schuldenverzeichnis

Der Schuldner muss seinem Insolvenzantrag ein Vermögens- und Schuldenverzeichnis hinzufügen. Sofern das Insolvenzgericht es verlangt, muss auch ein Schuldenbereinigungsplan eingereicht werden. Das ist meistens nur bei Aussicht auf Erfolg der Fall.

8. Formulare

Die amtlichen Formularvordrucke müssen gewissenhaft ausgefüllt werden. Dazu gehören z.B. der Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens, der Antrag auf die Erteilung der Restschuldbefreiung und ggf. der Antrag auf Stundung der Verfahrenskosten.

Schuldner muss diverse Voraussetzungen für die Eröffnung der Verbraucherinsolvenz erfüllen

Von der Abgabe des Antrags bis zur Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens benötigt das Insolvenzgericht ca. 5 bis 6 Wochen. In einigen Fällen kann es länger dauern, da das Gericht noch einen Gutachter zur Beurteilung der Situation heranzieht.


4. Das Insolvenzverfahren vorbereiten

Bei der Verbraucherinsolvenz handelt es sich zwar um ein vereinfachtes Insolvenzverfahren, dennoch ist das Thema weiterhin sehr komplex. Um Stolperfallen zu umgehen, sollten Sie unbedingt professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Kostenlose Erstberatung vereinbaren!

Wir verschaffen uns einen detaillierten Überblick über Ihre finanzielle Situation und erstellen einen individuellen Entschuldungsplan. Danach verhandeln wir mit Ihren Gläubigern und versuchen, die Insolvenz mit einem außergerichtlichen Vergleich zu vermeiden.

TIPP: Sofern noch nicht geschehen, sollten Sie Ihr Bankkonto in ein P-Konto (Pfändungsschutzkonto) umwandeln. So schützen Sie Ihr pfändungsfreies Guthaben und verhindern, dass Ihre Gläubiger das gesamte Konto pfänden. Bei uns können Sie auch die P-Konto Bescheinigung beantragen!


Schuldenfrei mit Schuldnerberatung Schulz!

Im folgenden Videoclip erfahren Sie, wie wir im “Kampf” gegen Ihre Schulden vorgehen:


5. Insolvenz vermeiden mit einem außergerichtlichen Vergleich

Die Chance, sich mit Ihren Gläubigern außergerichtlich zu einigen, ist vielleicht größer als Sie denken. Wenn Gläubiger mit der drohenden Privatinsolvenz eines Schuldners konfrontiert werden, handeln viele nach dem Motto “Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach!”.

Dementsprechend ziehen diese Gläubiger einen kleineren Vergleichsbetrag dem ungewissen Ausgang eines Insolvenzverfahrens vor.

INFO: Alle Gläubiger müssen dem außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan zustimmen. Stimmt nur einer dagegen, scheitert der Schuldenvergleich.

Privatinsolvenz vermeiden mit einem außergerichtlichen Vergleich

Wer erfolgreich verhandelt, muss meistens nur einen Bruchteil der eigentlichen Schuldensumme aufbringen. Wir haben für unsere Mandanten beispielsweise folgende Verhandlungsergebnisse erzielt:

Fall 1:

  • Persönliche Situation des Schuldners: Mandantin aus Halle, verheiratet, Angestellte
  • Schulden: 97.933,03 EUR bei 5 Gläubigern
  • Lösung: Einigung mit allen Gläubigern
  • Reduzierung der Gesamtschuld auf: 18.246,00 EUR
  • Monatliche Rate: 285,90 EUR
  • Gesamtersparnis: 79.626,09 EUR zzgl. weiterer Kosten und Zinsen

Fall 2:

  • Persönliche Situation des Schuldners: Mandantin
  • Schulden: 154.790,40 EUR bei 3 Gläubigern
  • Lösung: Einigung mit allen Gläubigern
  • Reduzierung der Gesamtschuld auf: 9.000,00 EUR
  • Gesamtersparnis:: 145.790,40 EUR zzgl. weiterer Kosten und Zinsen

Ein außergerichtlicher Vergleich ist für eine Schuldnerberatung der Königsweg und hat für Sie – neben der Reduzierung Ihrer Schuldsumme – viele weitere Vorteile:

  • Sie sind schneller schuldenfrei!
  • Sie vermeiden das Insolvenzverfahren und sparen sich die (nicht unerheblichen) Kosten dafür.
  • Die Abwicklung geschieht diskret. Dritte erfahren nichts vom Vergleich mit Ihren Gläubigern. Ein Insolvenzverfahren hingegen wird veröffentlicht.

Auch wenn die Aussicht auf Erfolg gering ist, dürfen Sie auf dem Weg in die Privatinsolvenz nicht auf die außergerichtliche Schuldenbereinigung verzichten. Schließlich ist das dokumentierte Scheitern einer Einigung nach §305 InsO Voraussetzung für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens.

TIPP: Überlassen Sie einem Profi die Verhandlungen! Wir sind sehr versiert im Umgang mit Gläubigern, haben als Rechtsanwälte eine bessere Verhandlungsposition und erzielen regelmäßig eindrucksvolle Verhandlungsergebnisse.

Wir verhandeln für Sie
mit Ihren Gläubigern.
Starten Sie jetzt
in ein schuldenfreies Leben!


6. Ablauf einer Privatinsolvenz

Die Verbraucherinsolvenz besteht aus 4 Phasen:

1. Phase: Außergerichtliche Schuldenregulierung und Insolvenzantrag
2. Phase: Gerichtliche Schuldenbereinigungsplan und Eröffnung des Insolvenzverfahren
3. Phase: Insolvenzverfahren
4. Phase: Restschuldbefreiungsverfahren / Wohlverhaltensphase

Wenn der Schuldner alle Phasen erfolgreich durchläuft, erteilt ihm das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung.

Ablauf der Privatinsolvenz

1. Phase: Außergerichtliche Schuldenregulierung und Insolvenzantrag

Zunächst muss der Schuldner versuchen, sich außergerichtlich mit seinen Gläubigern zu einigen. Klappt das nicht, benötigt er für seinen Insolvenzantrag zwingend die Bestätigung einer “geeigneten Stelle”. Außerdem muss er die weiteren Voraussetzungen für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens erfüllen.

INFO: Schuldnerberatung Schulz ist eine “geeignete Person” gemäß §305 InsO und daher in der Lage, Ihnen die benötigte Bestätigung auszustellen.


2. Phase: Gerichtlicher Schuldenbereinigungsplan und Eröffnung des Insolvenzverfahren

Bei Aussicht auf Erfolg versucht das Insolvenzgericht, anhand des Schuldenbereinigungsplans eine Lösung mit den Gläubigern zu erzielen. Allerdings passiert das nur selten.

Gibt es im Insolvenzantrag nichts zu beanstanden und der außergerichtliche Einigungsversuch liegt nicht länger als 6 Monate zurück, eröffnet das Gericht das Insolvenzverfahren.

INFO: Seit der Insolvenzrechtsreform vom 1.7.2014 ist die vorzeitige Beendigung des Insolvenzverfahrens auch für Verbraucher möglich. Beim Insolvenzplanverfahren bietet der Schuldner seinen Gläubigern mit Hilfe eines Geldgebers (Freund, Verwandter) eine Einmalzahlung an.
Der Insolvenzplan wird vorher mit dem Insolvenzverwalter und dem Insolvenzgericht abgestimmt. Stimmt die Mehrheit der beim Abstimmungstermin anwesenden Gläubiger für den Insolvenzplan, wird das Insolvenzverfahren beendet. Statt 6, 5 oder 3 JAHREN dauert die Entschuldung mittels Insolvenzplan meistens zwischen 4 und 12 MONATE.


3. Phase: Insolvenzverfahren

Mit Beginn des Insolvenzverfahrens bestellt das Insolvenzgericht einen Insolvenzverwalter. Das ist i.d.R. ein Rechtsanwalt, ein Steuerberater oder eine Wirtschaftsprüfer. Dieser hat zu Beginn viele Fragen an den Schuldner.

Ganz wichtig: Beantworten Sie seine Schreiben zügig, gewissenhaft und wahrheitsgemäß. Eine gute Zusammenarbeit mit dem Insolvenzverwalter erleichtert den gesamten Prozess.

Während das Insolvenzgericht das Verfahren öffentlich macht (Insolvenzbekanntmachungen), fordert der Insolvenzverwalter die Gläubiger auf, ihre Forderungen anzumelden. Anschließend überprüft er die Forderungen und informiert die Gläubiger im Rahmen einer Gläubigerversammlung.

TIPP: Besuchen Sie ebenfalls die Gläubigerversammlung oder lassen Sie sich von Ihrem Anwalt vertreten.

Im Insolvenzverfahren verwertet der Insolvenzverwalter das verbleibende Vermögen des Schuldners. Sofern er es zu Geld machen konnte, verteilt er die Summe die Gläubiger. Je nach Umfang des Vermögens und der Anzahl der Gläubiger dauert diese Phase ca. 6 Monate bis 2 Jahre.

INFO: Unter einem vorläufigen Insolvenzverfahren versteht man den Zeitraum, in dem das Gericht über den Insolvenzantrag entscheidet (auch Insolvenzantragsverfahren). Eine Aufgabe des vorläufigen Insolvenzverwalters ist dabei die Sicherung des Vermögens.


4. Phase: Restschuldbefreiungsverfahren

Das Restschuldbefreiungsverfahren beginnt im Prinzip parallel mit dem Insolvenzverfahren. Es dient vornehmlich der Entschuldung des Schuldners.

Dabei versichert der Schuldner per Unterschrift, dass er dem Insolvenzverwalter (der nach dem Insolvenzverfahren Treuhänder genannt wird) für maximal 6 Jahre den pfändbaren Teil seines Nettoeinkommens überlässt. Einmal im Jahr verteilt der Insolvenzverwalter bzw. Treuhänder den gepfändeten Betrag unter den Gläubigern.

Der Schuldner muss sich während des gesamten Restschuldbefreiungsverfahrens an die 5 Obliegenheiten (Pflichten) halten. Anders ausgedrückt, er muss sich “wohl verhalten”. Deshalb wird diese Phase auch als Wohlverhaltensphase oder Wohlverhaltensperiode bezeichnet. Übrigens handelt es sich dabei nicht um einen juristisch verankerten Begriff.

Hat der Schuldner alle Pflichten erfüllt, erteilt das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung und der finanzielle Neustart kann beginnen.

INFO: Verstößt der Schuldner gegen die Obliegenheiten, riskiert der die Versagung der Restschuldbefreiung. Beispielsweise liegt bereits ein Verstoß vor, wenn ein Schuldner mit Teilzeitjob sich nicht angemessen um eine Vollzeitstelle bemüht.


7. Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens auf 3 oder 5 Jahre

Seit der Insolvenzrechtsreform vom 1.7.2014 ist eine verkürzte Privatinsolvenz auf 5 oder sogar 3 Jahre möglich. Wenn ein Schuldner eine Verkürzung anstrebt, sollte er sich rechtzeitig mit dem Insolvenzverwalter / Treuhänder in Verbindung setzen. Zudem ist es sinnvoll, zunächst die benötigten Summen auszurechnen.

Schuldenfrei in 3 oder 5 Jahren - die Verkürzung einer Privatinsolvenz ist seit 2014 möglich

Sofern ein Schuldner die Privatinsolvenz auf 5 Jahre reduzieren möchte, muss er die kompletten Verfahrenskosten (§54 InsO) begleichen. Auch eine Restschuldbefreiung bereits nach 3 Jahren ist möglich. Dann muss der Schuldner darüber hinaus 35% der Schuldsumme tilgen. Nachdem die Zahlung erfolgt ist, muss der Schuldner einen schriftlichen Antrag beim Insolvenzgericht einreichen.

Da bei einer Verkürzung auf 3 Jahre im Endeffekt bis zu 70% der ursprünglichen Forderungen gezahlt werden müssen, schaffen das nur die wenigsten Schuldner. Die Verkürzung auf 5 Jahre ist hingegen für relativ viele Schuldner zu schaffen.

Schneller schuldenfrei.
Jetzt kostenlose Erstberatung nutzen!


8. Vorteile der Privatinsolvenz

Wenn Ihnen die Schulden über den Kopf wachsen und eine Einigung mit Ihren Gläubigern sehr unrealistisch ist, bietet die Privatinsolvenz eine große Chance für einen wirtschaftlichen Neubeginn.

Zu den wichtigsten Vorteilen einer Verbraucherinsolvenz gehören:

  • Die Aussicht auf ein schuldenfreies Leben in maximal 6 Jahren.
  • Pfändungsschutz, z.B. Lohnpfändungen oder Kontopfändungen durch Gläubiger (und Gerichtsvollzieher) sind nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens nicht mehr möglich. Ohne Privatinsolvenz dürften die Gläubiger übrigens 30 Jahre lang pfänden.
  • Durch Pfändungsfreigrenzen ist das Existenzminimum gesichert.
  • Keine direkte Kommunikation mit den Gläubigern mehr.
  • Keine “bösen Briefe” mehr.
  • Es herrscht Klarheit über die monatlichen Ausgaben, so dass der Schuldner ein Stück Selbstbestimmung zurückgewinnt.
  • Der Schuldner darf Verträge beenden und muss die Kündigungsfrist nicht beachten. Man könnte die Insolvenz quasi auch als Sonderkündigungsrecht einstufen.
  • Das Mietverhältnis darf vom Vermieter nicht gekündigt werden.
Vorteile einer Privatinsolvenz im Überblick

Insgesamt bedeutet die Verbraucherinsolvenz für den Schuldner eine enorme psychische Entlastung, von der auch die Partnerschaft bzw. die Familie und das Sozialleben profitieren.

Eine Privatinsolvenz wird gewöhnlich ohne größere Problem durchlaufen. Meist ergeben sich bei der Lebensführung keine unüberwindbaren Einschränkungen.

INFO: Schufa-Einträge werden drei Jahre nach der Restschuldbefreiung gelöscht.


9. Nachteile der Privatinsolvenz

An dieser Stelle möchten wir Ihnen die Nachteile der Privatinsolvenz nicht verschweigen:

  • Es bleibt monatlich “nur” der pfändungsfreie Betrag des Nettoeinkommens. Der Rest wird an den Insolvenzverwalter / Treuhänder überwiesen.
  • Einschränkungen im Konsumverhalten sind ggf. unvermeidbar. Zum Beispiel sind Ratenkredite nicht möglich.
  • Vermögensbestandteile, die der Schuldner nicht zwingend zum Leben benötigt, werden vom Insolvenzverwalter verwertet. Dazu kann u.U. auch das Auto gehören.
  • Das Insolvenzverfahren wird öffentlich gemacht (insolvenzbekanntmachungen.de).
  • Der Arbeitgeber wird über die Privatinsolvenz informiert. Da Abläufe in der Lohnbuchhaltung und zusätzliche Arbeit nötig ist, sind viele Arbeitgeber nicht begeistert. Zwar ist die Insolvenz kein Kündigungsgrund, aber in Sachen Probezeit und Jobsuche sicherlich kein Vorteil.
  • Wohnungs- und Vertragswechsel sind aufgrund der schlechten Bonität (Kreditwürdigkeit) nur unter erschwerten Bedingungen möglich.
  • Der Schuldner darf in der Wohlverhaltensphase nicht gegen die 5 Obliegenheiten verstoßen. Er muss sich z.B. bei Arbeitslosigkeit in ausreichendem Maße um einen Job bemühen.
  • Einige Schulden erlischen auch nicht durch ein Privatinsolvenzverfahren, z.B. Verbindlichkeiten aus vorsätzlich unerlaubten Handlungen. Dazu zählen u.a. Betrug, sowie Bußgelder und Strafgelder.
  • Ein negativer Schufa-Eintrag ist unvermeidlich.
  • Im Vergleich zu anderen Ländern ist das Insolvenzverfahren in Deutschland immer noch ein langwieriger Prozess, der mit viel Bürokratie einhergeht.

Auch wenn es viele Nachteile gibt und die Insolvenz in Deutschland in großen Teilen der Gesellschaft ein Stigma ist, überwiegen die Vorteile deutlich! Außerdem gibt es derzeit keine empfehlenswerten Alternativen – außer dem außergerichtlichen Vergleich.


10. Obliegenheiten in der Wohlverhaltensphase

In der Wohlverhaltensperiode gelten gemäß § 295 InsO folgende Pflichten:

  • Bemühung um einen angemessenen Arbeitsplatz (das kann eine Vielzahl von Bewerbungen bedeuten),
  • Abführung der pfändbaren Einkommensbeträge durch den Arbeitgeber an den Treuhänder,
  • Abgabe des halben Erbschaftsvermögens an den Treuhänder (in der Wohlverhaltensphase, davor jedoch zu 100%),
  • Mitteilung über jeden Wechsel von Wohnort oder Arbeitgeber sowie
  • Zahlungen ausschließlich an den Treuhänder, um ein Bevorteilung von Gläubigern zu vermeiden. Direkte Zahlungen an einzelne Gläubiger sind untersagt.
Privatinsolvenz - Obliegenheiten in der Wohlverhaltensphase

TIPP: Wenn Sie sich in der Privatinsolvenz befinden, sollten Sie diese Pflichten unbedingt erfüllen. Lieber eine Information an den Treuhänder zu viel als zu wenig! Ansonsten riskieren Sie unnötigerweise eine Versagung Ihrer Restschuldbefreiung.


11. Dauer des Verbraucherinsolvenzverfahrens

Da das Thema im bisherigen Text schon einige Male aufgetaucht ist, fassen wir es an dieser Stelle nur kurz zusammen.

Bis zur Insolvenzrechtsreform vom 1.7.2014 hat das Privatinsolvenzverfahren generell 6 JAHRE gedauert. Wer nach diesem Datum mit der Verbraucherinsolvenz begonnen hat, darf sie unter bestimmten Umständen (siehe Ablauf) auf 5 oder sogar 3 JAHRE verkürzen.

Eine weitere Verkürzung auf 12 oder gar 4 MONATE ist mit einem Insolvenzplanverfahren möglich.


12. Kosten in der Privatinsolvenz

Eine Privatinsolvenz verursacht Kosten. Empfänger sind das Gericht, der Insolvenzverwalter / Treuhänder und der Rechtsanwalt bzw. Schuldnerberater. Eine exakte Einschätzung der Gesamtkosten ist aufgrund vieler individueller Variablen an dieser Stelle nicht möglich.

Noch vor der Eröffnung des Verfahrens entstehen Gerichtskosten, z.B. für einen Sachverständigen bzw. vorläufigen Insolvenzverwalter, die sich auf ca. 800,- bis 1.200 EUR belaufen. Ist keine Insolvenzmasse vorhanden, verzichtet das Gericht auf den vorläufigen Insolvenzverwalter.

Während des Insolvenzverfahrens fallen Gerichtsgebühren (z.B. für die Kommunikation mit den Gläubigern) und Kosten für den Insolvenzverwalter (Vergütung und Auslagen) an. Die Kosten schwanken in dieser Phase u.a. je nach Anzahl der Gläubiger.

Bei weniger als 10 Gläubigern erhält der Insolvenzverwalter mindestens 1.000,- EUR. Pro 5 Gläubigern mehr bekommt er weitere 150,- EUR. Hinzu kommt der Anteil aus der Insolvenzmasse. Je höher der Wert, desto niedriger der prozentuale Anteil (bis 25.000,- EUR = 40% / bis 50.000,- EUR = 25% usw.).

Im Restschuldbefreiungsverfahren gibt es keine weiteren Gerichtskosten. Der Treuhänder bekommt für seine Tätigkeiten, u.a. die jährliche Verteilung des pfändbaren Einkommens an die Gläubiger, eine Vergütung. Diese beträgt pro Jahr 5% der gepfändeten Beträge, mindestens jedoch 100,- EUR.


Beratungskosten senken durch Beratungsschein

Die Kosten für den Rechtsanwalt bzw. Schuldnerberater können in vielen Fällen durch einen Beratungsschein gesenkt werden, der beim Amtsgericht zu bekommen ist.

Allerdings werden mit dem Beratungsschein lediglich die Kosten abgedeckt, die für die Beratung bis zur Erteilung einer Bescheinigung gemäß § 305 Abs. 1 Nr. 1 InsO (außergerichtliches Scheitern des Schuldenbereinigungsversuchs) anfallen.

Die Antragstellung für die Insolvenz und deren Vertretung während des Eröffnungsverfahrens sind im Beratungsschein nicht inbegriffen.


13. Pfändungsfreibeträge – Sicherung des Existenzminimums

Der Staat hat bei der gesetzlichen Regelung der Privatinsolvenz darauf geachtet, dass der Schuldner seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten und seine Existenz sichern kann. Anders ausgedrückt, der Insolvenzverwalter / Treuhänder bekommt nur den pfändbaren Teil des Nettoeinkommens.

Wie hoch der pfändungsfreie Betrag ist, ist in der Pfändungstabelle abzulesen, die im zweijährigen Rhythmus angepasst wird. Der Pfändungsfreibetrag richtet sich jedoch nicht nur nach dem Nettoeinkommen, sondern auch nach den Unterhaltsverpflichtungen. Der Schuldner muss jedoch belegen, dass er den Unterhalt tatsächlich zahlt.

Die Pfändungstabelle 2017 bis 2019 beginnt bei 1.140 EUR und bestimmt in 10-EUR-Schritten die jeweilige Pfändungsfreigrenze. Dementsprechend darf bei Schuldnern mit einem Einkommen bis zu 1.139 EUR (netto) nichts gepfändet werden. Die Obergrenze liegt bei 3.475,79 EUR. Alle Beträge darüber werden komplett an die Gläubiger ausgezahlt.

Dessen ungeachtet gibt es auch Lohn- und Gehaltsbestandteile, die pfändungsfrei sind. Dazu gehören beispielsweise Urlaubsgeld, Zahlungen für nicht genommenen Urlaub, Reisekostenvergütungen, Gefahrenzulagen, Weihnachtsgeld (maximal 500,- EUR) und 50% der Bruttobezüge für Überstunden.


Auszug aus der aktuellen Pfändungstabelle

Hinweise: Alle Beträge in EUR! Für die volle Breite das Smartphone ggf. horizontal halten.

Nettoeinkommen Pfändungsbetrag (Anzahl unterhaltspflichtige Personen)
  0 1 2 3 4 5
1140 -1149,99 4,34 0 0 0 0 0
1150 -1159,99 11,34 0 0 0 0 0
1790 -1799,99 459,34 114,75 0 0 0 0
1800 -1809,99 466,34 119,75 0 0 0 0
1810 -1819,99 473,34 124,75 4,70 0 0 0
3470 -3475,79 1635,34 954,75 668,70 430,21 239,26 95,86


Beispiel:

  • Wer kinderlos ist und 1.800 EUR netto verdient, zahlt 466,34 EUR an seine Gläubiger.
  • Bei gleichem Lohn / Gehalt und einem Kind reduziert sich die Abgabe auf 119,75 EUR.
  • Hat der Schuldner mehr als ein Kind, bleibt ihm hingegen sein volles Einkommen.

TIPP: Mit unserem Pfändungsrechner können Sie den pfändungsfreien Anteil Ihres Nettoeinkommens schnell und bequem ausrechnen!


14. Schuldnerberatungsstellen vs. anwaltliche Beratung

Wer professionelle Hilfe bei der Bewältigung von Schulden sucht, hat mehrere Optionen. Einerseits gibt es öffentliche und gemeinnützige Schuldnerberatungsstellen. Andererseits spezialisierte Rechtsanwälte (Fachanwälte für Insolvenzrecht), die häufig von zertifizierten Schuldnerberatern unterstützt werden.

Öffentliche Schuldnerberatungsstellen vs. Rechtsanwälte für Insolvenzrecht - Pro & Contra

In den folgenden Absätzen erklären wir Ihnen die wichtigsten Unterschiede:

1. Wartezeit

Öffentliche Beratungsstellen sind in Deutschland meist stark überlastet. Hier sind monatelange Wartezeiten die Regel. Wenn Sie Ihre finanziellen Probleme schnell(er) in den Griff bekommen möchten, ist eine öffentliche Schuldnerberatungsstelle der falsche Ansprechpartner.

Unsere Schuldnerberatung ist zeitlich deutlich flexibler und hilft Ihnen umgehend.

INFO: Während ein erfahrener Rechtsanwalt i.d.R. ca. 6 WOCHEN für die Einreichung des Insolvenzantrags benötigt, können bei einer öffentlichen Schuldnerberatungsstelle 1 bis 2 JAHRE vergehen.


2. Juristische Expertise

Mitarbeiter von öffentlichen Schuldnerberatungsstellen sind gut geschult und engagiert, jedoch i.d.R. keine Rechtsanwälte.

Bei Schuldnerberatung Schulz sind Sie während des gesamten Insolvenzverfahrens rechtlich auf der sicheren Seite.


3. “Schreibkram”

Leider ist die Durchführung einer Verbraucherinsolvenz mit einem hohen Maß an Bürokratie verbunden. Während Sie die öffentlichen Schuldnerberater damit größtenteils alleine lassen, übernehmen wir die Schreibarbeit und überprüfen alle Dokumente. Auch dahingehend, ob überhaupt alle Forderungen berechtigt sind.

Nachdem wir anfangs Ihre Mitarbeit benötigen, können Sie sich anschließend quasi “zurücklehnen”.


4. Umgang mit Gläubigern und Gerichten

Bevor wir Ihnen den Weg in die Insolvenz empfehlen, nutzen wir alle Chancen, um einen außergerichtlichen Vergleich zu ermöglichen. Dafür verhandeln wir in Ihrem Namen mit Ihren Gläubigern. Im Umgang mit Gläubigern sind wir versiert und sehr erfahren (siehe Verhandlungsergebnisse).

Gemeinnützigen Einrichtungen fehlt meist die Zeit und das Personal, um diesen Weg bis zum Ende auszureizen.


5. Kosten

Gemeinnützige Schuldnerberatungsstellen arbeiten kostenlos. Das ist für einen Anwalt natürlich nicht möglich. Dafür bekommen Sie von ihm deutlich mehr Leistungen.

Schneller schuldenfrei mit
Schuldnerberatung Schulz.
Jetzt unsere kostenlose
Erstberatung nutzen!


15. Statistik: Überschuldung und Privatinsolvenzen in Deutschland

Die Zahl der Menschen, die in Deutschland den Weg der Insolvenz wählen, ist seit 2011 rückläufig. Laut Creditreform steigt seit 2014 jedoch die Zahl der überschuldeten Personen. Wer überschuldet ist, hat dauerhaft höhere Ausgaben als Einnahmen.

In 2017 waren ca. 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahren überschuldet. Das ist gleichbedeutend mit einer Überschuldungsquote von 10,04%. Des Weiteren lag die gesamt Schuldsumme bei 209 Milliarden EUR. Dabei haben Männer (12,59%) deutlich häufiger Zahlungsprobleme als Frauen (7,61%). Die größten Zuwachsraten werden bei den Senioren verzeichnet.

Privatinsolvenzen in Deutschland 1999 bis 2017 (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Laut Statistischem Bundesamt haben von 1999 bis 2017 1.317.723 Schuldner eine Verbraucherinsolvenz beantragt.


Entwicklung bei Privatinsolvenzen

Nach einem etwas zögerlichen Start legte die Zahl der Verbraucherinsolvenzverfahren in den Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise (ab 2007) deutlich zu. Die meisten Insolvenzanträge wurden 2010 gestellt.

Seit 2012 gehen immer weniger Schuldner in eine Privatinsolvenz. Gründe für diese positive Entwicklung liegen vorrangig in der wirtschaftlichen Erholung und einer guten Situation auf dem Arbeitsmarkt.

Im Jahr 2017 kam es zu einem weiteren starken Rückgang. 71.896 Schuldner meldeten eine Verbraucherinsolvenz an. Das ist der geringste Wert seit 2005.


16. Insolvenzrechtsreform von 2014

Die Insolvenzrechtsreform sollte nicht nur Erleichterungen für den Schuldner bringen, sondern auch die Rechte der Gläubiger stärken. Schuldner haben durch die Aktualisierung der Insolvenzordnung die Möglichkeit, die Restschuldbefreiung bereits nach 3 oder 5 Jahren zu erhalten. Gleichzeitig erschwert die Neuregelung der Versagungsgründe unredlichen Schuldner die Restschuldbefreiung.

Wurde die Restschuldbefreiung rechtskräftig versagt, kann jetzt schon nach fünf Jahren ein erneuter Insolvenzantrag gestellt werden. Gläubiger können bereits während des laufenden Insolvenzverfahrens einen Antrag stellen, dem Schuldner die Restschuldbefreiung zu versagen.

Durch den Wegfall des § 312 Abs. 3 InsO ermöglicht das Verbraucher-Insolvenzplanverfahren auch Privatpersonen im Rahmen eines Vergleichs eine Entschuldung zu erreichen.

Jetzt Erstberatung vereinbaren –
kostenlos & unverbindlich!


17. Alternativen zur Verbraucherinsolvenz in Deutschland

Sofern der Schuldner in einem anderen Land wohnt, kann er dort legal einen Insolvenzantrag stellen. In vielen Ländern, z.B. England oder Frankreich, sind die Insolvenzverfahren deutlich kürzer und unbürokratischer.

Die Verlegung des Wohnortes nach England muss jedoch mindestens ein halbes Jahr vor der Antragstellung stattfinden. Und selbst dann ist es nicht sicher, dass der Insolvenzantrag akzeptiert wird. Und wer seinen Wohnsitz nur scheinbar in ein anderes Land verlegt, macht sich strafbar.

Neben dem Wohnort gibt es viele weitere kleine und große Hürden, die eine Privatinsolvenz im Ausland erschweren. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich auf die Möglichkeiten in Deutschland zu fokussieren und diese optimal zu nutzen.

Bezüglich der Dauer der Insolvenzverfahrens, die oft kritisiert wird, gibt es übrigens gute Nachrichten. Die EU plant, dass die Verbraucherinsolvenz in allen Mitgliedsstaaten generell nur noch maximal 3 Jahre dauern soll.


18. Insolvenzordnung verständlich

Insolvenzordnung verständlich - Paragraphen des Insolvenzrechts für Laien erklärt

Das Insolvenzrecht kann insbesondere für Privatpersonen, i.d.R. Laien, ziemlich verwirrend sein. Um Ihnen den Zugang zu diesem komplexen Thema etwas zu erleichtern, haben wir die Ratgeber-Rubrik “Insolvenzordnung verständlich” ins Leben gerufen. Darin erläutern wir Ihnen die wichtigsten Paragraphen des Bundesgesetzes.

Für eine Verbraucherinsolvenz ist insbesondere der neunte Teil der Insolvenzordnung wichtig.


19. Empfehlungen


20. FAQ Privatinsolvenz

Hinweis: Mit einem Klick können Sie direkt zur Antwort springen.

01. Ist eine Privatinsolvenz auch ohne Einkommen möglich?
02. Was passiert mit Schulden, die nach der Eröffnung des Verfahrens entstehen?
03. Wird das Insolvenzverfahren im Führungszeugnis eingetragen?
04. Kann man eine Verbraucherinsolvenz als Gläubiger verhindern?
05. Kann man ein Insolvenzverfahren vorzeitig beenden?
06. Darf ich in der Privatinsolvenz ein Auto besitzen?
07. Was passiert nach der Wohlverhaltensphase?
08. Wie werde ich am schnellsten schuldenfrei?
09. Muss ich meine Immobilie verkaufen, wenn ich Insolvenz anmelde?
10. Darf man während eines laufenden Insolvenzverfahrens auswandern?
11. Darf man während der Privatinsolvenz neue Schulden machen bzw. einen Ratenkauf tätigen?
12. Aus welchen Gründen kann eine Verbraucherinsolvenz scheitern?
13. Gibt es Schulden, die durch eine Insolvenz nicht gelöscht werden?
14. Ich befinde mich in der Insolvenzphase und möchte mich selbständig machen. Geht das?
15. Darf man während der Privatinsolvenz in den Urlaub fahren?
16. Was mache ich bei einem Umzug?
17. Das Insolvenzverfahren hat begonnen und der Gerichtsvollzieher steht trotzdem vor der Tür. Was mache ich?
18. Kann ich einen Schufa-Eintrag verhindern?

FAQ Privatinsolvenz - Antworten auf häufig gestellte Fragen

Rund um das Thema Privatinsolvenz gibt es unzählige Fragen. Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die uns häufig gestellt werden:

01. Ist eine Privatinsolvenz auch ohne Einkommen möglich?

Ja.

02. Was passiert mit Schulden, die nach der Eröffnung des Verfahrens entstehen?

Da es sich um neue Schulden handelt, fallen sie nicht unter die Restschuldbefreiung.

03. Wird das Insolvenzverfahren im Führungszeugnis eingetragen?

Nein.

04. Kann man eine Verbraucherinsolvenz als Gläubiger verhindern? 

Nein.

05. Kann man ein Insolvenzverfahren vorzeitig beenden? 

Ja. Durch einen Insolvenzplan, durch vollständige Zahlung aller Schulden oder durch die neuen gesetzlichen Regelungen – dann kann man nach 5 Jahren oder sogar 3 Jahren schuldenfrei sein.

06. Darf ich in der Insolvenzphase ein Auto besitzen?

Nur wenn der PKW für den Arbeitsweg zwingend erforderlich ist und wenn der Wert des Pkw bei rund 1.000,- bis 1.500,- EUR liegt.

07. Was passiert nach der Wohlverhaltensphase?

Dann sind die Schulden mit Erteilung der Restschuldbefreiung “verschwunden”, d.h. sie sind nicht mehr gegen den Schuldner durchsetzbar. Die Erteilung der Restschuldbefreiung bleibt jedoch noch drei Jahre in der SCHUFA stehen.

08. Wie werde ich am schnellsten schuldenfrei? 

Mit einem außergerichtlichen Vergleich oder einem Insolvenzplan – jeweils mit kurzer Laufzeit.

09. Muss ich meine Immobilie verkaufen, wenn ich Insolvenz anmelde?

Die Immobilie wird vom Insolvenzverwalter / Treuhänder verwertet. Mit Insolvenzeröffnung verlieren Sie die Verfügungsbefugnis über Ihr Vermögen, d.h. Sie dürfen Ihre Immobilie nicht mehr veräußern. Es kann auch sein – sofern die Immobilie wertausschöpfend belastet ist – dass der Verwalter die Immobilie freigibt. Die Immobilie kann dann von den Grundschuldgläubigern weiter verwertet werden und auch eigenhändig veräußert werden.

10. Darf man während eines laufenden Insolvenzverfahrens auswandern? 

Ja. Sie benötigen nur bei Antragstellung einen Wohnsitz in Deutschland. Beachten Sie aber, dass die Restschuldbefreiung nur innerhalb der EU wirkt.

11. Darf man während der Verbraucherinsolvenz neue Schulden machen bzw. einen Ratenkauf tätigen? 

Ja. Aber das wird schwierig aufgrund der SCHUFA-Einträge. Aber prinzipiell ist es erlaubt.

12. Aus welchen Gründen kann eine Verbraucherinsolvenz scheitern?

Die Versagung der Restschuldbefreiung kann wegen Verstößen gegen die Obliegenheiten des Schuldners passieren, z.B. wenn man der Auskunfts- und Mitwirkungspflicht nicht nachkommt, falsche Angaben macht oder eine Zusammenarbeit in großen Teilen verweigert.

13. Gibt es Schulden, die durch eine Insolvenz nicht gelöscht werden? 

Ja. Verbindlichkeiten aus vorsätzlichen unerlaubten Handlungen (z.B. Betrug, Körperverletzung), Buß- und Strafgelder, Steuerschulden aus einer Steuerhinterziehung sowie vorsätzlich und pflichtwidrig nicht gezahlter Unterhalt, werden von der Restschuldbefreiung nicht umfasst.

14. Ich befinde mich in der Insolvenzphase und möchte mich selbständig machen. Geht das? 

Ja, das geht sehr gut! Sogar unter ziemlich charmanten Bedingungen. Sprechen Sie uns an!

15. Darf man während der Insolvenz in den Urlaub fahren?

Ja. Man sollte jedoch immer für den Insolvenzverwalter erreichbar sein. Dieses Verhalten zählt übrigens zu den Obliegenheiten eines Schuldners (Auskunfts- und Mitwirkungspflicht).

16. Was mache ich bei einem Umzug?

Informieren Sie den Insolvenzverwalter über Ihre neuen Kontaktdaten. Das Amtsgericht und der Insolvenzverwalter ändern sich übrigens nicht.

17. Das Insolvenzverfahren hat begonnen und der Gerichtsvollzieher steht trotzdem vor der Tür. Was mache ich?

Sie legen ihm die Bestätigung des Insolvenzgerichts über die Eröffnung des Verfahrens vor. Der Gerichtsvollzieher wird Sie dann nicht mehr besuchen.

18. Kann ich einen Schufa-Eintrag verhindern?

Nein. Durch die öffentliche Bekanntmachung der Insolvenzgerichte erfährt die Schufa von Ihrer Privatinsolvenz. Nach der Restschuldbefreiung bleibt der Eintrag noch 3 Jahre bestehen.

Alles gelesen? Glückwunsch.
Jetzt wird es aber Zeit für
die kostenlose Erstberatung!


  • KOSTENLOSE ERSTBERATUNG

    JETZT BERATUNGSGESPRÄCH VEREINBAREN!i

    Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere sie hiermit

    Die mit * markierten Felder sind Pflichtfelder

  • Siegel - Schuldnerberatung und Insolvenzberatung bundesweit
  • Siegel - Zertifizierte Schuldnerberater & Rechtsanwälte für Insolvenzrecht
  • Siegel - Ohne Wartezeit: Wir starten umgehend mit der Beratung
Ihre Vorteile bei Schulz & Partner: 10 Jahre Erfahrung - 1.000 Schuldner / Jahr - rechtlich immer auf der sicheren Seite - bundesweit
Jetzt raus aus den Schulden!