Ersparnisse der Deutschen: Wie lange würden die Rücklagen reichen?

23.11.2017

Die Vermögen in Deutschland sind ungleich verteilt. Diese Erkenntnis dürften heutzutage die meisten Menschen in Deutschland teilen. Das Düsseldorfer Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) hat diese Einschätzung nun mit einer neuen Studie unterlegt.

Die Forscher fragten, wie lange die Deutschen ausschließlich von ihrem Sparvermögen leben könnten. Das Ergebnis: Vielen würde ihr Erspartes nur wenige Wochen genügen.

Zahlreiche Haushalte haben kaum oder keine Ersparnisse

Bei der WSI-Studie handelt es sich um eine Modellberechnung, basierend auf statistischem Datenmaterial. Um die Kernthese zu untersuchen, nehmen die Forscher an, dass Bürger in ihrer Not keinerlei Sozialleistungen wie z.B. Arbeitslosengeld erhalten.

Stattdessen ermitteln sie, wie lange private Haushalte mit ihrem finanziellen Polster über die Runden kommen würden. Die Resultate sind ernüchternd: Rund ein Drittel kann höchstens für wenige Wochen den Lebensunterhalt stemmen.

Im Gegensatz dazu stehen die vermögenden Haushalte, was etwa auf 5% aller Haushalte zutrifft. Sie würden mit ihren finanziellen Rücklagen 20 Jahre und länger auskommen, d.h. auch bei sonst existenzbedrohenden Szenarien würden Sie "weich" fallen.

Besonders schlecht stehen Alleinerziehende mit Kindern da, denn ca. 40% von ihnen besitzen gar kein Vermögen. 27 Jahre nach der Einheit schneiden dabei Ostdeutsche weiterhin deutlich schlechter als Westdeutsche ab.

Die Europäische Zentralbank kommt mit einer anderen Berechnungsmethode zum identischen Ergebnis. Sie bescheinigt Deutschland innerhalb der Eurozone die größte Ungleichheit bei Privatvermögen: Die unteren 40% der Haushalte verfügen über kein nennenswertes Vermögen, insgesamt gehört ihnen nur 1% des deutschen Privatvermögens. Die oberen 10% nennen dagegen 60% des Privatvermögens ihr Eigen.

Darum ist das Vermögen in Deutschland so ungleich verteilt

Die Verteilung des Vermögens hängt sehr stark von der Herkunft, aber auch von der Verteilung des Einkommens ab. In den letzten Jahrzehnten hat die Einkommensungleichheit enorm zugenommen.

Insbesondere im Dienstleistungsgewerbe sind viele prekäre Jobs entstanden. Die Angestellten können sich mit ihrem Gehalt kaum etwas extra leisten und haben daher keine Kapazitäten, um ein (kleines) Vermögen anzusparen.

Im Alter bekommen viele Beschäftigte eine Mini-Rente, so dass sich das Problem verschärft. Altersarmut ist eine Herausforderung, die es in der Form bislang nicht gab. Zur Verschärfung der Situation trägt auch folgende Erkenntnis bei: Wer nichts sparen kann, erzielt keine Kapitaleinkünfte als zusätzliche Einkommensquelle.

Personen mit einem hohen Einkommen erwerben dagegen Aktien, Immobilien und sparen mit anderen Anlageformen, sie erweitern ihre finanziellen Kapazitäten mit den daraus resultierenden Einkünften. Sie können sich zurücklehnen und das Geld für sich arbeiten lassen. Und die Schere zwischen arm und reich wird immer größer ...

Keine Ersparnisse = erhöhte Verschuldungsgefahr?

Das Fehlen eines Sparvermögens bedeutet nicht automatisch, dass Verbraucher in die Verschuldung abrutschen. Doch das Risiko liegt deutlich höher als bei anderen. Jedes unvorhergesehene Ereignis kann zur Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung führen.

Diese Gefahr ist real und leider weit verbreitet. Fast sieben Millionen Deutsche gelten als überschuldet. Allein im Jahr 2016 haben fast 80.000 Verbraucher Privatinsolvenz angemeldet.

Die Ursachen liegen u.a. in Veränderungen bei den Einnahmen oder den Ausgaben. Einnahmeseitig ist die Arbeitslosigkeit ein klassisches Beispiel. Es gibt zwar Arbeitslosengeld, aber oftmals decken diese Leistungen nicht vollständig den Bedarf. Erkrankungen bis hin zur Berufsunfähigkeit stellen ebenfalls ein gravierendes Risiko dar. Bei den Ausgaben kann ein unvernünftiges Konsumverhalten den Schuldenberg schnell wachsen lassen.

Egal, wie man es dreht oder wendet: Je geringer die Ersparnisse, desto größer ist leider die Gefahr, in die Schuldenspirale zu geraten.

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